Dresden

Eigentlich wollten wir zwei Tage in der Sächsischen Schweiz wandern. Nachdem wir aber am zweiten Tag von einem kräftigen Gewitter geweckt wurden und die Wetter-App keine Besserung versprach, entschlossen wir uns für einen Kurzausflug nach Dresden. Dort war es zwar furchtbar grau, aber immerhin trocken.

Dresden ist eine sehenswerte Stadt, vor allem die Altstadt am Elbufer.

Elbufer Dresden

Sehr interessant fand ich die Frauenkirche, die im zweiten Weltkrieg komplett ausgebrannt ist und erst vor wenigen Jahren wieder aufgebaut wurde. Dabei wurden zum Teil noch erhaltene Steine der ursprünglichen Frauenkirche verwendet, die man gut dadurch erkennt, dass sie im Gegensatz zum Rest eine schwarze Patina haben. Diese Steine machen die Kirche noch interessanter.

Frauenkirche Dresden

Ebenfalls gut gefallen hat mir die katholische Hofkirche mit den vielen Statuen an der Außenwand. Innen befindet sich unter anderem eine sehr moderne Pietà aus Meißner Porzellan.

Katholische Hofkirche Dresden

Statue an der Außenwand der Hofkirche Dresden

Statue an der Außenwand der Hofkirche Dresden

Pietà in der katholischen Hofkirche Dresden

Katholische Hofkirche Dresden

Gegenüber der katholischen Hofkirche befindet sich die berühmte Semperoper, die wir allerdings nur von außen angeschaut haben.

Semperoper Dresden

Interessant ist auch der Stallhof mit den vielen Tierköpfen, die an Säulen befestigt sind.

Stallhof Dresden

Innen besichtigt haben wir nur die Kirchen und die Festung, letztere war allerdings aufgrund des Elbhochwassers 2013 nur eingeschränkt zugänglich und auch einige Ausstellungsstücke fehlten, weil sie restauriert werden mussten. Sehr schade. Im öffentlich zugänglichen Bereich hat man allerdings von den Hochwasserschäden nichts mehr gesehen. Die Gesichte zur Festung fand ich auch recht interessant, die Führung via Audioguide ist empfehlenswert.

Goldener Engel Kunstakademie Dresden
Goldener Engel auf dem Dach der Kunstakademie

Sächsische Schweiz: Hohnstein und Bastei

In die Sächsische Schweiz möchte ich schon, seit ich als Kind in den Zeitschriften meine Mutter bei den Reisetipps Bilder von der Bastei entdeckte. Felsen und Burgen hatten es mir schon immer angetan und die Bastei sah besonders verlockend aus. Leider musste ich aber feststellen, dass Sachsen doch ein Stückchen weit weg ist und so dauerte es noch über 20 Jahre, bis ich diesen Traum verwirklichte.

Unser Lager schlugen wir in Hohnstein auf, einem sehr hübschen Dörfchen mit einer interessanten Burg. Die Burg hat eine bewegte Geschichte hinter sich und dient mittlerweile als Jugendherberge und als Bikertreffunkt.

Am Anreisetag schauten wir uns die Burg an, in der einige Räume gegen ein geringes Eintrittsgeld zugänglich sind. Danach genossen wir auf der Terrasse des Hotels “Zur Aussicht” bei gutem Essen den wunderschönen Blick über das Dorf.

Hohnstein
Abendlicher Blick auf die Burg Hohnstein

Für unsere Wandertour am nächsten Tag hatten wir uns mithilfe des Internets und einer in Hohnstein erworbenen Wanderkarte einen Rundweg gebastelt, der überwiegend auf dem Malerweg entlang führte. Der Malerweg ist ein 112 km langer Wanderweg durch die Sächsische Schweiz und die Etappen lesen sich so verlockend, dass wir den unbedingt einmal komplett wandern möchten. Vorerst beschränkten wir uns aus Zeitmangel aber auf eine Kombination aus Etappe 3 und Etappe 2.

Im Schindergraben
Steinmännchen-Sammlung im Schindergraben

Schindergraben
Morgensonne im Schindergraben

Ganz haben wir es nicht geschafft, uns an unseren Plan zu halten. Gleich an der ersten Kreuzung entschieden wir uns für die falsche Abzweigung und waren dadurch auf dem Weg, den wir eigentlich erst auf dem Rückweg nehmen wollten. Das merkten wir aber erst, als wir an der Polzentalmühle standen, ein markanter Wegpunkt, der auf der Karte an der vermuteten Stelle gar nicht eingezeichnet war. Nach einer kurzen Suche fanden wir den Punkt auf der Karte und merkten, dass wir in die entgegengesetzte Richtung gegangen waren.

Wir hätten den Weg jetzt einfach umgekehrt begehen konnten, wanderten dann aber über einen anderen Weg wieder in die ursprünglich vorgesehene Richtung. Dadurch verpassten wir einen Teil des Malerwegs, was aber nicht so schlimm war, weil wir den ohnehin irgendwann komplett wandern möchten.

Felsen
Felsen an der Polenz

Waltersdorfer Mühle
Waltersdorfer Mühle

Weg
Abwärts über wunderschöne Wege

Treppe
Und wieder aufwärts über scheinbar unendliche Treppen

Felsen
Felsen bei Rathen

Nach einiger Zeit erreichten wir Rathen, ein kleines Dorf an der Elbe. Rathen liegt sehr nahe an der Bastei und scheint ein sehr beliebter Touristenort zu sein. Bis nach Rathen hatten wir den Wald fast für uns, ab Rathen waren jede Menge Leute unterwegs.

Der Aufstieg zur Bastei war ziemlich anstrengend, was allerdings nicht unbedingt am Höhenunterschied lag, sondern eher an der Sonne, die meistens ungehindert auf uns hinabbrennen konnte. Bei 33 Grad merkt man jeden Schritt, der Rucksack wird von Stufe zu Stufe schwerer und irgendwann will man sich nur noch in den Schatten legen und seine Ruhe haben.

Ausblick bei der Bastei Richtung Königstein
Blick über die Elbe Richtung Königstein

Auf zur Bastei
Basteitreppe, ausnahmsweise schattig

Gelohnt hat es sich aber sehr, die Bastei ist wirklich beeindruckend. Viele Schilder weisen darauf hin, wo früher Menschen gewohnt oder die Bastei bewacht hatten. Heute ist für mich kaum noch vorstellbar, wie das ausgesehen haben mag, denn bis auf die Basteibrücke ist kaum noch etwas erhalten.

Bastei
Rundweg in der Bastei

Basteibrücke
Basteibrücke

Felsformation gegenüber der Bastei
Felsformation gegenüber der Bastei

Bastei
Rundweg in der Bastei

Elbe, Blickrichtung Dresden
Blick über die Elbe Richtung Dresden

Im Bergrestaurant gönnten wir uns ein eiskaltes Getränk zur Abkühlung. Unser mitgebrachtes Wasser war mittlerweile lauwarm und leistete zwar gute Dienste zur Hydration, aber Abkühlung konnten wir uns davon nicht versprechen.

Als nächstes gingen wir Richtung Schwedenlöcher, ein sehr schöner Wanderweg, der teilweise Klammcharakter hat. Auf unserer Wanderkarte waren die Schwedenlöcher als gesperrt gekennzeichnet, zum Glück war diese Information aber inzwischen veraltet. Ohne Schwedenlöcher hätten wir wirklich etwas verpasst, ich mochte die Gegend sehr.

Bei der Bastei
Aussichtspunkt in der Nähe der Schwedenlöcher.

Die nachfolgenden Bilder habe ich alle auf dem Wanderweg durch die Schwedenlöcher aufgenommen. Die Schwedenlöcher heißen so, weil sich die Bürger von Rathen dort während des dreißigjährigen Krieges vor den Schweden versteckt haben.

Schwedenlöcher

Schwedenlöcher

Schwedenlöcher

Schwedenlöcher - Treppe

Schwedenlöcher - Steg

Schwedenlöcher - Durchgang
Schmaler Durchgang, der Wanderweg ist kaum als solcher zu erkennen

Nach den Schwedenlöchern ging es weiter zum Amselfall, der allerdings nur leicht tröpfelte. Der Weg dorthin ist mit dicken Sandsteinquadern regelrecht gefliest und führt teilweise steil bergauf. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie dieser Weg bei Regen begehbar ist.

Treppe beim Amselfall
Treppe beim Amselfall

Danach ging es weiter nach Rathewalde, wo wir uns eine weitere Erfrischung gönnten. Unser Wasser war mittlerweile fast aufgebraucht, obwohl wir vier Flaschen dabei hatten. Die Hitze und die vielen Steigungen machten sich durchaus bemerkbar. Zum Glück gibt es auf der Strecke unzählige gemütliche Einkehrmöglichkeiten.

Alles Eintauchen der Hände ist streng verboten
Brunnen in Rathewalde. Inschrift: “Alles Eintauchen der Hände ist streng verboten. Jeder Trinker hat 5 Pf. Trinkgeld zu entrichten.”

Der Weg zwischen Rathewalde und dem Hockstein war äußerst mühsam und der einzige nicht malerische Abschnitt des Malerwegs. Er führte direkt an einer vielbefahrene Straße entlang, ungeschützt über das freie Feld. Die Nachmittagssonne machte uns auf diesem Abschnitt sehr zu schaffen und wir waren sehr froh, als wir endlich wieder im Wald waren.

Der Hockstein selbst liegt genau gegenüber von Hohnstein und bietet einen schönen Ausblick auf das ganze Dorf und die darunter liegende Polenztalmühle.

Hohnstein
Hohnstein

Polenztalmühle
Polenztalmühle

Der Abstieg vom Hockstein hat mir sehr viel Spaß gemacht. Eine lange Eisentreppe führt durch einen engen Spalt im Fels. Der Durchgang ist teilweise so eng und niedrig, dass wir mit unseren Rucksäcken gerade so durchpassten.

Nach gut 22 km waren wir wieder in Hohnstein und beschlossen den wunderschönen Tag nach einer erholsamen Dusche bei einem eiskalten Köstritzer und einem leckeren Abendessen.

Wer gerne wandert, Felsen mag und vielleicht sogar klettert ist im Elbsandsteingebirge sehr gut aufgehoben. Ich habe den Tag sehr genossen und werde auf jeden Fall wiederkommen.

Kramerspitz

Die Kramerspitz ist ein grüner Berg, der von unten recht langweilig aussieht. Deshalb wollten wir da erst gar nicht hoch, viel lieber wären wir auf die Zugspitze gewandert. Da die Wettervorhersage aber starken Nebel, Schneeregen und bittere Kälte vorhersagte und wir darauf gar keine Lust hatten, knöpften wir uns spontan die Kramerspitz vor. Was sich als sehr gute Wahl herausstellte, denn der Kramer ist alles andere als langweilig.

Kramerspitz
Die Kramerspitz von unten – total harmlos, nicht wahr?

Die Wanderung ging recht gemächlich los. Breite Wege, Herzchen an den Bäumen, keine nennenswerten Anstiege … perfekt, um langsam wach zu werden.

Los geht's

Nach der Almhütte wurde der Weg schnell steiler. Zwar handelte es sich noch um einen breiten Forstweg, aber mächtig steil war es trotzdem. Bei der St. Martinshütte mussten wir erst eine kleine Verschnaufpause einlegen und nutzten den Moment, um den Ausblick zu genießen.

Martinshütte
St. Martinshütte, unten Garmisch, hinten das Wettersteingebirge

Wettersteingebirge
Wettersteingebirge

Nach der Hütte wurde der Weg schmaler, der Wald lichter und die Aussicht immer schöner.

Pfad

Schmetterling

Brücke

Pfad

Außerdem wurde der Weg immer steiler, schon bald war leichtes Klettern angesagt. Bis zum Gipfel muss man relativ viel klettern, auch wenn diese Aussage sicherlich nur für normale Wanderer gilt. Bergsteiger werden vermutlich maximal mit den Schultern zucken und sich über uns Flachlandtiroler wundern. Wir fanden es allerdings teilweise recht abenteuerlich und etwas anstrengender als erwartet.

Holzpfad

Aufstieg

Nicht alle Kletterstellen waren mit Seilen gesichert, allerdings hätten wir die ohnehin fast nie gebraucht. Es gab nur eine Stelle, an der ich mir dringend Seile gewünscht hätte, da war aber aufgrund der Wandbeschaffenheit nichts zu machen: Seile hätten in der porösen Wand niemals gehalten.

Garmisch-Partenkirchen
Blick auf Garmisch-Partenkirchen

Als wir gerade dachten, dass wir jetzt das schlimmste überstanden hätten und dass es doch gar nicht so schwierig war, ging es erst richtig los. Um auf den eigentlichen Kramergipfel zu kommen, mussten wir zunächst einen anderen Gipfel auf der Nordseite umgehen. Dort gab es nur einen schmalen Pfad, der sich durch das Geröll zog. Hier hätte ich mir die Seile gewünscht, aber das war technisch nicht möglich. Wenigstens weiß ich jetzt, warum so viele Bergwanderer Stöcke haben, die wäre eine gute Alternative zu den Seilen gewesen.

Gipfelumrundung
Gipfelpfad

Schmale Pfade
Blick nach vorne

Rückblick
Blick zurück

Die letzten Meter zum Gipfel hatten es ebenfalls in sich: Erst mussten wir einen schmalen Grat mit leicht feuchtem Gras überqueren, dann noch die letzten 50 bis 100 Meter richtig klettern. Zwar ging das dank der Felsbeschaffenheit auch für totale Kletteranfänger recht gut, aber blöderweise kamen uns auf halbem Weg andere Wanderer entgegen, denen ich ausweichen musste. Plötzlich hing ich recht weit außen an der Wand und hatte das Gefühl, weder vor noch zurück zu kommen. Zum Glück konnte ich ein aufkommendes Angstgefühl unterdrücken und fand nach einigen Durchschnaufsekunden einen guten Weg. Gefährlich war es nie, hätte ich aber richtig Angst bekommen, wäre es mit Sicherheit gefährlich geworden.

Aufstieg zum Gipfel
Der Weg zum Gipfel. Auf dem Bild sieht man recht gut, wo noch geklettert werden muss. Der Pfad endet direkt am Gipfelkreuz.

Auf dem Gipfel mussten wir uns erstmal auf die Bank setzen, die direkt unter dem Gipfelkreuz angebracht ist. Von unten wirkt die Kramerspitz im Vergleich zum Wettersteingebirge wie ein Hügel, oben sind es aber ganz andere Dimensionen.

Der Gipfel ist in keiner Form gesichert, d. h. es gibt keine Geländer oder dergleichen, wie man es von den Ausichtsplattformen der Gipfelstationen gewohnt ist. Da ich keine Chance hatte mich irgendwie festzuhalten, traute ich mich kaum von der Bank weg. Auch wenn es bis zum Abgrund noch einige Schritte waren, hatte ich dennoch das Gefühl, dass der kleinste Windhauch mich vom Gipfel wehen könnte. Es ist ein sehr krasses Gefühl, plötzlich so hoch über der Stadt zu stehen.

Blick aufs Wettersteingebirge

Zurück ging es über die Stepbergalm. Zuerst waren wir froh, dass wir nicht auf dem gleichen Weg zurück mussten, doch dann schauten wir uns die Abstiegsroute genauer an: gruseliger Anblick. Allerdings sieht es schlimmer aus, als es tatsächlich ist. Klettern muss man nicht mehr oft, schon bald führt ein fester Pfad durch die Latschenfelder.

Gipfelkreuz Kramerspitz
Blick zurück: Gipfelkreuz der Kramerspitz

Kramerspitz - Abstieg
Blick nach vorne: Der Abstieg

Irgendwann wird der Pfad recht abschüssig und sieht aus wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Ich nehme an, dass hier im Frühjahr die Schneeschmelze hintunterrauscht. Dieser Weg ist richtig schwer zu begehen und geht heftig in die Gelenke. Hier wünschte ich mir mal wieder Stöcke, bei meiner nächsten Wanderung in den Alpen besitze ich bestimmt welche.

Blick aufs Wettersteinmassiv
Ausblick von der Stepbergalm, hinter den Wolken das Wettersteingebirge

Nach einer Schlittertour über das Geröll und eine ziemlich steile Wiese gönnten wir uns auf der Stepbergalm das wohlverdiente Gipfelbier, bevor es über sehr steile und unangenehme Pfade zurück nach Garmisch ging. Hinterher tat uns vom anstrengenden Abstieg jeder einzelne Knochen weh, aber gelohnt hat es sich allemal. Und ich weiß jetzt, dass ich in diesem Leben keine Bergesteigerin mehr werde. Bergwandern geht immer, gerne auch mit einem leichten Klettersteig, aber so richtiges Bergsteigen ist sicherlich nichts für mich. Dem Kramer allerdings würde ich jederzeit wieder einen Besuch abstatten.

Trittfesten und schwindelfreien Wanderern, die keine Angst vor kurzen Kletterpartien haben, kann ich diesen Berg wärmstens ans Herz legen. Eine Wegbeschreibung mit Karte gibt es unter anderem bei outdooractive.

Eibsee

Am dritten Tag flehten unsere Beine inständig nach Pause, deshalb stand nur ein Regenerationsspaziergang rund um den Eibsee auf dem Plan. Verglichen mit den beiden anderen Tagen war der Weg sehr langweilig, aber genau das richtige für unsere Muskeln.

Blick auf die Ammergauer Alpen
Blick auf die Ammergauer Alpen

Waxensteine
Waxensteine

Wunderschön fand ich den Farbverlauf im Eibsee. Durch das glasklare Wasser kann man wunderbar sehen, wie tief der Eibsee an den verschiedenen Stellen ist.

Eibseewasser
Farbverlauf

Familienauflug
Familienausflug

Bei einer Tour rund um den Eibsee hat man bei gutem Wetter einen recht guten Blick auf die umliegenden Berge, zu denen auch die Zugspitze gehört. Wir hatten Glück, dass sich genau an der richtigen Stelle die Wolken kurz verzogen und wir tatsächlich zum ersten Mal die Zugspitze erblicken konnten.

Zugspitze
Zugspitze, noch wolkenverhangen

Zugspitze
Zugspitze mit Bergstation

Bücher im Juni

Joe Abercrombie – Kriegsklingen

Das Buch wurde mir öfters ans Herz gelegt, aber leider musste ich feststellen, dass es für mich nicht das Richtige ist. Ich fand es etwas zu träge von der Handlung her und auch der Stil konnte mich nicht fesseln. Da ich absolut nicht voran kam, habe ich es zur Seite gelegt. Allerdings an einer Stelle, an der ich jederzeit wieder problemlos einsteigen kann, wenn es mir danach ist.

Jörg Maurer – Unterholz

Ich habe eine Macke: Wenn ich in Urlaub fahre, besorge ich mir einen Roman, der in der jeweiligen Region spielt und lese ihn vorher, im Urlaub oder auch danach. Die Romane um den Wildschütz Kommissar Jennerwein mag ich eh, also war klar, zu welchem Buch ich greifen würde.

Unterholz bietet die von Jörg Maurer gewohnte lockere Unterhaltung. Ich mag den feinen Humor des Autors sehr. Die ganzen Figuren im Buch habe ich ohnehin schon vor langer Zeit ins Herz geschlossen. Jedes Mal kriege ich wieder das Gefühl, dass es all die Leute wirklich gibt. Dieses Gefühl wurde am Urlaubsort verstärkt: die Romane von Jörg Maurer spielen in Garmisch-Partenkirchen, allerdings nennt er den Namen nie, sondern schreibt immer nur “der Kurort”. Trotzdem ist klar, wo die Bücher spielen und als ich im Kurort angekommen war, wurde ich überall mit den Namen aus den Büchern konfrontiert. Vor allem Ostler und Grasegger scheinen dort weit verbreitete Namen zu sein. Mir gefällt es, dass der Autor Namen gewählt hat, die in der Region tatsächlich üblich sind.

Das Buch ist das fünfte Buch der Reihe. Das sechste fehlt mir noch, das werde ich allerdings erst kaufen, wenn es als Taschenbuch verfügbar ist, damit es zu meiner Sammlung passt.

Astrid Lindgren – Ronja Räubertochter

Angefangen hat es auf Twitter. Durch einen Tweet wurde ich wieder auf dieses Buch aufmerksam und bekam Lust, es wieder zu lesen. Ich durchschaute mehrmals mein Regal und musste dann entsetzt feststellen, dass ich es gar nicht besitze, sondern als Kind nur ausgeliehen hatte. Diesen Missstand korrigierte ich mit einer schnellen Bestellung.

Ronja ist zauberhaft. Ich liebe es, wie sehr sie den Wald liebt und sich dort heimisch fühlt, dadurch fühle ich mich sehr mit ihr verbunden. Ich habe jede Sekunde genossen und mich gefreut, dass meine Erinnerung aufgefrischt wurde. Ich hatte zum Beispiel die gruseligen Wilddruden total vergessen, die mir als Kind im Film so eine Heidenangst einjagten. Brrr.

Meine allerliebste Geschichte von Astrid Lindgren wird allerdings immer “Im Land der Dämmerung” bleiben, eine Geschichte, die wir in der Grundschule gelesen hatten und die mich nachhaltig beeindruckte.

Enzo Fileno Carabba – Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten

Dieses Buch habe ich in erster Linie wegen des Titels gekauft und wunderte mich dann durch das Buch hindurch, was der Titel denn mit dem Buch zu tun haben soll. Es ist ja oft so, dass der Titel so viel Aufmerksamkeit wie möglich erregen soll und total am Inhalt des Buches vorbeigeht. Hier ist das allerdings nicht der Fall, nur kommt die Auflösung recht spät.

Das Buch ist sehr skurril und der Humor ist rabenschwarz. So richtig sympathisch waren mir sämtliche Charaktere nie, trotzdem fand ich das Buch lesenswert und unterhaltsam.

Tim Sohr – Woanders is’ auch scheiße

Noch so ein Titelkauf. Hinten stand was von 90er drauf, von Jugend, Fußball und Metallica: Gekauft. Eine Jugend in den 90ern ist meine Jugend und ich hoffte auf ein Erinnerungsfeuerwerk.

Meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht, auch wenn Fußball deutlich mit Vordergrund stand und ich damit nicht gerechnet hatte. Trotzdem, es passt alles. Der Protagonist war mir nicht so extrem sympathisch, dazu war er zu eingebildet, aber ich mochte die Erzählung. Der Stil des Autors ist genau meins.

Meir Shalev – Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger

Falls es noch nicht aufgefallen ist: Ich habe eine Schwäche für seltsame Buchtitel. Dieses Buch stand allerdings einige Jahre ungelesen in meinem Regal bis ich mich seiner endlich annahm.

Obwohl der Autor durchaus schreiben kann, hat mir das Buch nicht besonders gefallen. Die vielen Geschichten aus dem Leben der Großmutter des Autors sind zu zusammengewürfelt und unstrukturiert. Zu oft deutet der Autor etwas an, um dann zu schreiben, dass er diese Geschichte später erzählen würde. Oder gar nicht. Oder man kann sie in einem seiner anderen Bücher nachlesen. Mir wurde das irgendwann zu bunt, deshalb habe ich nur noch quergelesen, einige interessante Stellen herausgepickt und das Buch dann wieder ins Regal gestellt.

Partnachklamm und Eckbauer

Am zweiten Tag unserer Reise wollten wir es etwas langsamer angehen lassen, da wir vom Aufstieg zum Hupfleitenjoch noch ziemlich kaputt waren. Also entschieden wir uns für eine Tour, die in unserem Buch als einfach und kinderfreundlich gekennzeichnet war und bei der nur 520 Höhenmeter zu begehen waren. Nach den über 1000 Höhenmetern am Vortag kam uns das nach wenig und sehr einfach vor. Allerdings mussten wir einmal mehr feststellen, dass die Steigungen in den Alpen beim besten Willen nicht mit den Steigungen bei unseren üblichen Wanderungen in der Pfalz oder im Schwarzwald vergleichbar sind. In den Alpen gewinnt man in der Regel recht schnell an Höhe, die Steigungen sind entsprechend steil und anstrengend.

Dennoch lohnte es sich. Der Weg war zwar nicht so spannend wie der des Vortages, aber der Spaziergang durch die beeindruckende Partnachklamm und der wunderschöne Ausblick beim Eckbauer entschädigten für alle Strapazen.

Los ging es an der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen. Die große Schanze wurde vor einigen Jahren neu gebaut und ist sehr beeindruckend. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man auf der kleinen Fläche im Stadion zum Stehen kommen soll.

Olympische Skisprungschanze
Startpunkt: Olympische Skisprungschanze

Weiter ging es in die Partnachklamm, die etwas kürzer ist als die Höllentalklamm. Dort waren auch wesentlich mehr Touristen anzutreffen, was vielleicht auch daran liegt, dass sie bequemer zu erreichen ist. Die Partnachklamm hat sogar im Winter geöffnet, irgendwann will ich da auch gerne im Winter hin.

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnachklamm

Partnach

Nach der Partnachklamm stieg der Weg steil an. Bis zum Eckbauer sollte sich daran auch nichts mehr ändern.

Ausblick

Ausblick

Ausblick

Ausblick

Eckbauer

Beim Eckbauer gönnten wir uns das übliche Gipfelbier und einen Mittagssnack. Ich entschied mich für Leberknödel mit Sauerkraut, für mich eigentlich eine typisch pfälzische Mahlzeit. In Bayern werden die Leberknödel allerdings etwas anders zubereitet, nicht besser oder schlechter, nur anders. Und durchaus lecker.

Beim Abstieg hatten wir die Wahl zwischen der Eckbauerbahn und dem Fußweg. Wir entschieden uns für den Fußweg, der über wunderschöne Almwiesen führte. Leider war er an manchen Stellen halsbrecherisch steil und ging gewaltig in die Knie, aber vom Ausblick her lohnte es sich sehr.

Bergwiese

Beim Eckbauer

Schmetterling

Wanderweg

Schmetterling

Blick auf Garmisch-Partenkirchen

Wanderweg

Höllental und Hupfleitenjoch

Alleine schon für solche Namen wie Hupfleitenjoch muss ich die Alpen einfach lieben. Und schön ist es auch noch, bzw. vor allem der Weg dahin über die Höllentalklamm. Unser Reiseführer empfahl eine Route, die von der Bergstation der Kreuzeckbahn überwiegend abwärts verläuft. Da wir aber lieber bergauf gehen, entschieden wir uns für die umgekehrte Richtung.

Schon beim Fußmarsch von Garmisch nach Hammersbach bot sich uns ein grandioser Anblick, obwohl sich ein Großteil des Wettersteingebirges hinter einer dicken Wolkendecke versteckte.

Wettersteingebirge
Wettersteingebirge

Offiziell beginnt die Route in Hammersbach. Von dort aus sind noch gut 60 Minuten Fußweg zur Eingangshütten der Klamm, teilweise geht es schon recht steil hinauf. Mich überraschte der lange Fußweg, ich hatte damit gerechnet, dass die Höllentalklamm bereits kurz hinter Hammersbach beginnt.

Wettersteingebirge
Blick auf die Knappenhäuser

Höllentalklamm-Eingangshütte
Höllentalklamm-Eingangshütte

Die Klamm selbst fand ich sehr beeindruckend. Das Wasser rauscht mit einem wahnsinnigen Getöse durch die engen Felsspalten, teilweise läuft es auch direkt von den Wänden herab. Trocken bleibt man vermutlich nie, wenn man die Höllentalklamm durchwandert. Der Weg führt zum Teil durch niedrige, enge Höhlen, die gut beleuchtet sind. Manchmal kann man auch zwischen der relativ trockenen Höhle und einem feuchten Weg außerhalb der Höhlen wählen, wir entschieden uns immer für letzteres. Der Weg durch die Höllentalklamm ist stellenweise recht steil und glitschig, aber immer gut zu begehen.

Höllentalklamm

Höllentalklamm

Höllentalklamm

Höllentalklamm

Höllentalklamm

Höllentalklamm

Nach der Höllentalklamm geht es stetig bergauf bis zur Höllentalangerhütte, die derzeit wegen eines Neubaus geschlossen ist. Blöderweise hatten wir uns vorher nicht informiert, denn wir hatten fest mit einer Brotzeit in der Höllentalangerhütte gerechnet. Zwar konnten wir schon die nächste Hütte auf unserer Strecke sehen, aber bis dahin lagen noch einige Höhenmeter vor uns.

Wasserfall

Nach der Höllentalangerhütte wird der Weg steiler und schmaler, streckenweise ist er mit einem Stahlseil gesichert. Diese Sicherung ist zwar nicht unbedingt erforderlich, ist aber sicherlich hilfreich, wenn man nicht ganz schwindelfrei ist. Man geht die meiste Zeit recht nahe am steilen Abgrund und kann dadurch eine wunderschöne Aussicht genießen.

Pfad

Blick auf Garmisch-Partenkirchen
Blick auf Garmisch-Partenkirchen

An der nächsten Hütte, den Knappenhäusern, wurden wir leider auch enttäuscht, da diese gerade gar nicht bewirtschaftet ist. Da wir außer außer Wasser gar nichts dabei hatten, waren wir mittlerweile ziemlich hungrig. Immerhin wussten wir, dass die Kreuzalm ganz sicher bewirtschaftet ist, aber bis dahin waren wir noch eine Weile unterwegs.

Höllental
Blick auf das Höllental

Weg durch das Höllental
Auf diesem Pfad im Höllental sind wir wenige Stunden zuvor noch gewandert

Knappenhäuser
Blick zurück auf die Knappenhäuser

Vom Hupfleitenjoch aus hat man einen wunderbaren Blick auf das AlpspiX, die begehbare X-förmige Aussichtsplattform vor der Alpspitze.

AlpspiX
Berstation Alpspitzbahn und AlpspiX

Unser Reiseführer empfahl uns dringend, den vor uns liegenden Schwarzenkopf wegen der tollen Sicht auf die Zugspitze zu besuchen, was wir jedoch wegen der Wolken ignorierten. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zur Kreuzalm, wo wir endlich etwas zum Essen bekamen. Geschmeckt hat es mir allerdings nicht besonders, die Linsensuppe war für meinen Geschmack zu stark gewürzt. Immerhin war das Brot ganz gut, und das wohlverdiente Gipfelbier schmeckt sowieso immer.

Von der Kreuzalm hatten wir einen herrlichen Blick auf das Karwendelgebirge, zumal sich so langsam die Wolken verzogen.

Karwendel
Blick auf das Karwendelgebirge

Karwendel
Blick auf das Karwendelgebirge

Den Abstieg nahmen wir über die recht steilen Ski-Abfahrtswege und die historische Bobbahn vor. Insgesamt legten wir an diesem ersten Tag rund 24 km zurück, die wir am Abend auch deutlich in den Knochen spürten.

Historische Bobbahn bei Garmisch-Partenkirchen
Historische Bobbahn

Bücher im Mai

Seit ich pendle, lese ich wieder viel mehr. Ein guter Grund, die sträflich vernachlässigte Kategorie Bücher zu entstauben und ein bisschen über Bücher zu plaudern.

Daniela Schreiter – Schattenspringer

Eigentlich bin ich keine Comic-Leserin. Asterix mag ich, Lucky Luke auch und als Teenager habe ich über Clever & Smart Tränen gelacht, aber mit den meisten Comic-Büchern oder Graphic Novels kann ich nicht so viel anfangen. Schattenspringer habe ich mir in erster Linie deshalb gekauft, weil ich der Autorin seit einiger Zeit auf Twitter folge und ihre Zeichnungen mag. Außerdem interessiere ich mich für Autismus, seit ich vor rund 10 Jahren “Buntschatten und Fledermäuse” von Axel Brauns gelesen habe.

Schattenspringer erklärt recht gut, wie sich Daniela mit ihrem Autismus fühlt, warum sie kein Rain Man ist und generell warum Rain Man ein ganz schlechtes Beispiel für den Autismus ist. Ich mag die Definition “Autisten sind Aliens” und kann das alles ein klitzekleines bisschen nachvollziehen, weil ich mit meiner Schwerhörigkeit lange Zeit auch in einer sehr eigenen Welt lebte. Ich will natürlich nicht behaupten, dass ich weiß, wie man sich mit Autismus fühlt; aber ich weiß, was es bedeutet, anders zu sein.

Schattenspringer ist so liebevoll gezeichnet und gut erzählt, dass ich mir vorgenommen habe, künftig Comics und Graphic Novels nicht mehr standardmäßig zu ignorieren. Wer weiß, welche Perlen es in diesem Bereich noch gibt.

Website der Autorin: http://www.fuchskind.de/
Ausführliche Leseprobe: http://www.fuchskind.de/galerie/schattenspringer/aspie.php

Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Mein erster Murakami. Um genau zu sein: der erste, den ich vollständig gelesen habe. Vor Jahren habe ich mich an “Kafka am Strand” versucht, habe aber nach nur wenigen Seiten wieder aufgehört, weil ich nicht in der Stimmung für dieses Buch war. Jetzt also Naokos Lächeln. Ich mochte den Stil sehr und war beeindruckt von der Übersetzung. Die Geschichte war einerseits ruhig, andererseits aber auch sehr aufwühlend. Ein ernstes und trauriges Thema, vorgetragen in einem komplett unaufgeregten Stil. Empfehlenswert.

Oliver Pötzsch – Die Burg der Könige

Ich gestehe: Ich habe das Buch nur gekauft, weil es in meiner Heimat spielt. Wie könnte ich auch einer Geschichte widerstehen, die auf dem Trifels angesiedelt ist? Vom Inhalt war ich positiv überrascht. Eine gut erzählte Geschichte, die zur Zeit der Bauernkriege spielt und gut recherchiert ist. Empfehlenswert für alle, die historische Romane mögen und nicht vor dicken Wälzern zurückschrecken. Auch wenn im Verlauf des Buches die Ramburg zerstört wird. Tz.

Straßenbahngeeignet ist das Buch allerdings nur bedingt, mit seinen 944 Seiten nimmt es in der Tasche arg viel Platz weg.

Website des Autors mit Leseprobe: http://www.oliver-poetzsch.de/home/index.php/die-burg-der-koenige

Alan Bradley – Mord im Gurkenbeet

Ein bisschen hat sie mich ja genervt, die neunmalkluge Flavia de Luce. Viel zu reif für ihr Alter und viel zu naseweis. Der Humor hat mir zwar gefallen, aber ich glaube nicht, dass ich die Serie weiterlesen werde.

Wiebke Lorenz – Alles muss versteckt sein

Ein beeindruckender Roman. Auf dem Cover steht zwar Thriller, aber meiner Meinung nach ist das eher eine Erzählung, wenn auch eine spannende. Ich mag gar nicht viel über das Buch schreiben, weil ich glaube, dass es am besten funktioniert, wenn man vorher kaum etwas von der Handlung weiß. Die Beschreibung der Zwangsgedanken und der entsprechenden Konsequenzen fand ich gut recherchiert und schlüssig. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass es drei verschiedene Erzählperspektiven gibt und die Wechsel zwischen den Perspektiven flüssig und logisch sind.

Website der Autorin: http://www.wiebke-lorenz.de/

Die Mutter, ihr Kind und ich

Seit Februar laufe ich wieder. Wobei das Wörtchen wieder eine maßlose Übertreibung ist, denn zum ersten Mal in meinem Leben gehe ich den Laufsport tatsächlich ernsthaft an. Vorher war ich nur eine Ab-und-zu-Läuferin, ging nur dann raus, wenn ich gerade gut gelaunt war, das Wetter schön war oder die Hose zwickte. So richtig regelmäßig bin ich aber nie gelaufen, immer wieder fand ich Ausreden und betrug mich selbst um Strich und Faden.

Hier aber, auf dem Land, macht das Laufen dermaßen viel Spaß, dass ich einfach raus muss. Klar fallen mir auch hier Ausreden ein, aber in den allermeisten Fällen ziehe ich einfach die Laufklamotten an und renne los, bevor ich zu viel nachdenken kann. Wenn ich erstmal draußen bin, macht es mir spätestens nach 2-3 km wieder so richtig Spaß.

Heute hatte ich erst auch nicht so wirklich Lust. Das Wetter war grau und deprimierend, meine Beine noch schwer vom letzten Lauf und überhaupt lockten Couch und Buch viel mehr als die Laufschuhe. Da ich aber im Juli bei der Bergdorfmeile eine anständige Zeit laufen möchte und außerdem eine erkältungsbedingte vierwöchige Zwangslaufpause hinter mir habe, kann ich mir keine Faulheit leisten. Mein Ziel ist es, bei der Bergdorfmeile eine Pace von unter 6 Minuten zu schaffen, und davon bin ich momentan noch weit entfernt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Laufschuhe zu schnüren.

Als ich mich gerade eine Steigung hochquälte, kreisten meine Gedanken nur darum, dass ich durch die Zwangspause konditionell wieder bei 0 war. Vielleicht hatte ich mir für den Anfang eine zu schwierige Strecke ausgesucht, schließlich war das erst der zweite Lauf nach der Pause und der erste war auch nicht sonderlich gut verlaufen. Auf jeden Fall kam ich kaum vom Fleck, keuchte wie eine alte Dampflok und grübelte gerade darüber nach, wie um alles in der Welt ich den Rest der Strecke schaffen sollte, als auf einmal ein Reh zwischen den hohen Gräsern am Wegesrand hervorkam. Das arme Reh erschrak mehr als ich, blieb kurz stehen und schaute mich mit großen Augen an, bevor es noch schnell vor mir über den Weg rannte. Hinter dem Reh wackelten die Gräser. Ich schaute genauer hin und entdeckte ein Rehkitz, das mit unbeholfenen Schritten seiner Mutter folgte. Einen Moment war ich dermaßen fasziniert, dass ich fast stehen geblieben wäre. Zum Glück setzte mein Verstand aber wieder rechtzeitig ein und ich legte einen Zahn zu, um mich so schnell wie möglich vom Rehbaby zu entfernen. Rehkitze darf man nämlich keinesfalls berühren, ihre Mütter verstoßen die Tiere sonst.

Also rannte ich so schnell ich konnte den Hügel hoch. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass mir das Rehkitz nachrannte. Vielleicht verwechselte es mich mit seiner Mutter, auch wenn ich bei weitem nicht so elegant war wie sie, aber die Geschwindigkeit könnte in etwa hinkommen. Oder es sah in meinem Sprint einfach nur eine Aufforderung zum Spielen. Keine Ahnung, was das Kitz antrieb, ich versuchte nur noch, genügend Abstand zwischen uns beide zu bringen und kurbelte das Tempo weiter hoch. Als ich mich erneut umdrehte, sah ich, dass mir das kleine Reh immer noch folgte. Hinter ihm stand seine Mutter wieder auf dem Weg, schaute ihrem Kind nach und folgte langsam. Ich könnte schwören, dass Mama Reh einen typischen “was macht denn das bekloppte Kind schon wieder?”-Blick drauf hatte. Baby Reh ließ sich davon nicht irritieren und stolperte mir fröhlich weiter nach. So langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen, dass es mich einholen und anstupsen könnte. Was würde die Mutter dann machen? Angreifen? Sich umdrehen und weggehen? Beide Optionen fand ich nicht sonderlich verlockend. Erneut beschleunigte ich, obwohl ich schon am Ende meiner Kräfte war, und als ich mich noch eimal umdrehte, konnte ich erleichtert feststellen, dass das Rehkitz das Interesse verloren hatte und zurück zu seiner Mutter trabte. Kurz darauf verschwand es wieder im hohen Gras. Die Mutter allerdings sah mir noch lange nach.

Was mich jetzt brennend interessieren würde: Habe ich mich richtig verhalten, oder hatte ich ein wahnsinniges Glück, dass das Kitz von mir abgelassen hat? Ich hatte durchaus das Gefühl, dass ich den Spieltrieb des Kleinen geweckt hatte, aber mir fiel keine gute Alternative zum Wegrennen ein. Wäre ich stehen geblieben, hätte es mich garantiert eingeholt und das wäre wahrscheinlich nicht gut ausgegangen. Hätte ich vielleicht laut schreien sollen, damit es Angst kriegt? Die Richtung wechseln, laut polternd und schreiend auf das Kitz zulaufen? Aber was, wenn dann die Mutter angegriffen hätte, weil sie ihr Kind bedroht sah? Das Reh war zwar nicht sonderlich groß, aber mit genügend Wut im Bauch ist die Größe nicht mehr so relevant. Vielleicht liest ja ein Reh-Experte mit und kann mir Tipps geben, wie ich mich in einer solchen Situation am besten verhalte? Hier gibt es recht viele Rehe und eine Wiederholung dieser Ereignisse ist nicht ausgeschlossen.

Laufen auff’m Land. Jeden Tag ein neues Abenteuer.

Siena

Siena war zunächst ein bisschen anstrengend. Bei unserem ersten Versuch, die Stadt zu besuchen, fuhren wir wie immer direkt nach dem Frühstück los. Leider stellte sich vor Ort heraus, dass das viel zu spät war. Wir kamen gegen 11 Uhr an und befanden uns mitten im größten Chaos. Verstopfte Straßen, belegte Parkplätze und mittendrin jede Menge waghalsige Vespafahrer, die uns an den unmöglichsten Stellen überholten und nicht gerade zur Entspannung beitrugen. Nach drei Runden und einer Stunde gaben wir auf und fuhren stattdessen in ein kleines Dorf in der Nähe. Das Dorf stellte einen herrlichen Kontrast zum chaotischen Siena dar, dort war kaum jemand unterwegs und wir genossen die Stille sehr.

Am nächsten Tag starteten wir einen neuen Versuch, denn Siena wollten wir uns unbedingt angucken. Diesmal stellten wir den Wecker und fuhren in aller Herrgottsfrühe ohne Frühstück los. In Siena wurden wir sofort belohnt. Nicht nur, dass wir problemlos einen kostenlosen Parkplatz fanden, der Blick auf den Dom war in der Morgensonne großartig. Da weit und breit noch keine Touristen unterwegs waren, teilten wir uns die Straßen nur mit den Müllmännern und konnten uns in Ruhe alles angucken, bevor sich die Menschenmassen durch die Straßen drängten. Leider hatte aber noch keine Bar geöffnet, so dass wir auf den dringend notwendigen Morgenkaffee und das obligatorische Frühstückshörnchen noch ein bisschen warten mussten. Dennoch würde ich es bei einem erneuten Besuch der Stadt nicht anders machen.

Am liebsten mochte ich den schwarz-weiß gestreiften Dom, sowohl in der Außenansicht, als auch innen. Der Palazzo Pubblico war allerdings ebenfalls klasse, vom sehr hohen Turm hatte man einen wunderbaren Fernblick.

Das Mittagessen in Siena war einmalig. Wir verließen uns auf eine Empfehlung aus unserem Reiseführer und wurden nicht enttäuscht. Nicht nur, dass das Essen wirklich gut war, auch die Bedienung war ihr Geld wert. Ich hatte mich eigentlich schon für Spaghetti Bolognese als Piatti Primo entschieden, aber der Kellner meinte, dass ich das überall in Italien kriegen würde und ich lieber ein regionales Gericht bestellen solle, bestehend aus Pici und einer Tomaten-Speck-Soße. Ich ließ mich überzeugen und war schwer begeistert. Pici sind spaghettiänliche Nudeln, die allerdings gut dreimal so dick sind. Mir schmeckten diese so gut, dass ich danach in einem winzigen Laden noch eine Packung Pici für zuhause kaufte. Ich hätte gerne noch mehr gekauft, aber die 500g-Packungen sind recht groß und bei einer Flugreise ist der Platz im Koffer doch arg beschränkt. In Deutschland habe ich schon einige Läden nach dieser Pastasorte abgeklappert, war aber nicht erfolgreich. Da bleibt wohl nur noch eines: Selber machen.

Jetzt aber erst die obligatorischen Bilder von einer wunderschönen Stadt:

Dom
Frühmorgendlicher Blick auf die Stadt

Dom
Dom

Dom
Trauriger Löwe am Dom

Dom
Verzierung über dem Haupteingang des Doms

Dom
Noch mehr Domverzierung

Im Dom
Blick in den Dom

Dom
Frontansicht Dom

Dom
Dieses Muster hat mir unglaublich gut gefallen. Ich hätte den Dom stundenlang angucken können.

Dom
Spiegelbild

Dom
Geflügelte Kuh. Sowas sieht man auch eher selten.

Im Dom
Domkuppel von innen

Im Dom
Statuen im Dom

Im Dom
Wandmalerei im Dom

Palazzo Pubblico
Palazzo Pubblico

Palazzo Pubblico
Innenhof des Palazzos. Dort standen wir für Eintrittskarten an und bewunderten so lange den wunderschönen Anblick nach oben.

Blick vom Palazzo Pubblico
Blick über Siena vom Palazzo Pubblico

Blick vom Palazzo Pubblico
Piazza del Campo, der Fächerplatz. Da wir recht früh morgens auf dem Turm waren, war der Schattenwurf vom Palazzo Pubblico absolut perfekt.

Blick vom Palazzo Pubblico
Gebäude an der Piazza del Campo

Blick vom Palazzo Pubblico
Noch mehr Ausblick

Palazzo Pubblico
Palazzo Pubblico