Mit meiner Kreativität ist es im Moment nicht weit her, deshalb habe ich bei Anke gewildert und einen sehr interessanten Fragebogen kurzerhand entführt.
Gebunden oder Taschenbuch?
Taschenbücher sind praktischer, gar keine Frage. Aber gebundene Bücher haben etwas besonders. Sie verströmen ein Gefühl von Luxus, weil ich mir gebundene Bücher nur sehr selten leiste. Die Blätter sind in der Regel etwas dicker, die Bücher haben meistens ein praktisches Lesebändchen und sie machen im Regal mehr her. Dennoch besitze ich überwiegend Taschenbücher, schon alleine deshalb, weil ich zum Preis eines gebundenen Buches 2 1/2 Taschenbücher bekomme. Nur wenn ich gar nicht warten kann, bis das Taschenbuch erscheint, oder wenn der Autor Walter Moers heißt, muss es unbedingt die gebundene Version sein.
Amazon oder Buchhandel?
Beides, und beides sehr gerne. Wenn ich genau weiß, was ich möchte oder wenn ich ein englischsprachiges Exemplar suche, ist Amazon meine erste Wahl. Im Buchhandel sind die Bücher meistens nicht vorrätig und bis ich sie dort bestellt habe, wurden sie auch von Amazon geliefert. Aber wenn ich in der Stadt bin, kann ich an keinem Buchladen vorbeigehen. Ich muss reingehen, stöbern, fast alle Bücher mindestens einmal in die Hand nehmen, reinlesen, Cover bewundern, den Geruch der Bücher und die Atmosphäre im Buchladen aufnehmen … Es macht unglaublich viel Spaß!
Lesezeichen oder Eselsohr?
Absichtliche Eselsohren sind Büchermisshandlung. Lesezeichen natürlich! Zur Not merke ich mir auch die Seite, wenn ich kein geeignetes Lesezeichen dabei habe. Aber das kommt selten vor, irgendeinen unnützen Zettel finde ich immer in der Geldbörse. Nur von Geldscheinen nehme ich inzwischen Abstand, nachdem ich vor vielen vielen Jahren in meinem jugendlichen Leichtsinn einmal 50 DM als Lesezeichen verwendet habe. Diese 50 DM habe ich von meiner Oma bekommen, das Geld wollte ich eigentlich in eine wunderschöne Winterjacke investieren. Dooferweise habe ich es aber erst ungefähr 3 Jahre später wieder gefunden …
Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
Zurzeit eher ungeordnet. Sachbücher und Romane sind zwar getrennt, und meine Chick-Lit-Bücher habe ich auch an eine eher uneinsichtige Stelle verbannt, aber der Rest steht kreuz und quer im Regal. Allerdings bin ich damit nicht sonderlich zufrieden und werde wohl in meinem Urlaub das Regal auf den Kopf stellen.
Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Verschenken. Meistens aber behalten, ich kann mich nur sehr schwer von Büchern trennen. Deshalb habe ich während meiner Bookcrossing-Zeit auch nicht so viele Bücher freigelassen, wie ich ursprünglich wollte. Weggeworfen habe ich allerdings schon einige Überbleibsel meiner Teenagerzeit, nämlich ganz üble Nackenbeißer, die ich auf keinen Fall mehr sehen wollte. Jugendsünden eben.
Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Als Kind habe ich die meisten Schutzumschläge weggeworfen, was ich jetzt fürchterlich bereue. Vor allem bei meiner geliebten Anne-Reihe, die jetzt so traurig nackt aussieht. In den letzten Jahren habe ich nur noch einen Schutzumschlag absichtlich weggeworfen: Das Buch stammte aus der BILD-Reihe und der Umschlag war so abgrundtief hässlich, dass ich den auf keinen Fall im Regal haben wollte.
Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Ohne. Wenn ich mit Umschlag lese, spiele ich während des Lesens immer damit. Das nimmt er mir meistens übel.
Kurzgeschichten oder Roman?
Roman. Es gibt nur sehr wenige Kurzgeschichten, die mir wirklich gefallen.
Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Sammlung. Davon besitze ich sogar einige, jedoch keine einzige Anthologie.
Harry Potter oder Lemony Snicket?
Harry Potter. Eigentlich wollte ich Harry Potter ja gar nicht lesen, weil mir der Hype auf die Nerven ging, aber irgendwann erwischt es wohl jeden.
Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Aufhören, wenn man müde ist. Leider. Als ich noch jung war, konnte ich unmöglich mitten in einem Kapitel aufhören. Meistens habe ich nicht geruht, bis ich das ganze Buch verschlungen hatte. Aber inzwischen bin brauche ich meinen Schlaf. (Ich fühle mich gerade unglaublich alt …)
„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Da ziehe ich das Märchen vor. Ersteres erinnert mich an meine dunkle Vergangenheit als Nackenbeißerleserin.
Kaufen oder Leihen?
Kaufen. Ich bin nicht dafür geeignet, Bücher auszuleihen, denn ich möchte Bücher nicht nach Verfügbarkeit, sondern nach Laune lesen. Alleine in den Wintermonaten habe ich von ungefähr 20 geliehenen Büchereibüchern nur ein einziges wirklich gelesen. Alle anderen habe ich ungelesen wieder zurückgebracht. Zum Glück verleiht die Bücherei auch DVDs, sonst würde sich die Mitgliedschaft für mich nicht lohnen.
Neu oder gebraucht?
Neu, wenn es noch verfügbar ist. Ansonsten auch gerne gebraucht.
Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Empfehlungen hole ich mir in diversen Foren. Außerdem stöbere ich sehr gerne, und das nicht nur im Buchhandel, sondern auch im Internet. Zum Beispiel im Blog des Autors Saša Stanišić, in dem ich heute eine sehr interessante Rezension des Buches “Isabellas Liebe zum Flügelhorn” gefunden habe. Die Rezension hat mir sogar dermaßen gut gefallen, dass ich das Buch nach Feierabend gleich gekauft habe.
Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Geschlossenes Ende. Ich kann es gar nicht leiden, wenn ich eventuell noch einige Jahre darauf warten muss, um zu wissen, wie es denn nun endet. Wie bei der Tintenherz-Reihe von Cornelia Funke.
Morgens, mittags oder nachts lesen?
Morgens, wenn ich mit der Bahn zur Arbeit fahre, mittags, wenn ich Urlaub habe, nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Ansonsten lese ich meistens abends. Am Wochenende lese ich gerne zu jeder Tages- und Nachtszeit. In der warmen Jahreszeit packe ich gerne mal eine Picknickdecke in den Fahrradkorb und suche mir ein schönes Plätzchen in der Natur. Ein schönes Buch macht gleich noch einmal so viel Spaß, wenn die Atmosphäre stimmt. Im Winter lese ich auch gerne in einem gemütlichen Café und nuckle dabei eine Stunde an einem Latte Macchiato.
Einzelband oder Serie?
Früher habe ich lieber Serien gelesen, inzwischen ziehe ich Einzelbände vor. Es gibt nur noch wenige Serien, von denen ich mich wirklich locken lasse. Aktuell sind es nur zwei: Harry Potter und die Tintenherz-Trilogie.
Lieblingsserie?
“Anne of Green Gables”, definitiv. Ich lese die Bücher nun schon seit gut 17 Jahren immer wieder und immer wieder. Mal gucken, ob da Potters Harry auch mithalten kann.
Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
“3:2″ von Fritz Walter. Wobei es mir hier eher um den geschichtlichen Hintergrund als um den literarischen Wert geht. Letzter ist so gut wie gar nicht vorhanden, da der gute Fritz so geschrieben hat, wie er sprach. Fast zumindest, seinen Pfälzer Dialekt hat er beim Schreiben erfolgreich unterdrückt, beim Sprechen dagegen hat er es nie ganz geschafft.
Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Die Fragestellung gefällt mir so nicht. Besser: Das schönste Buch des letzten Jahres. Da habe ich zwei Kandidaten: “Wie der Soldat das Grammofon repariert” von Saša Stanišić und “Schloss Gripsholm” von Kurt Tucholsky. Saša Stanišić experimentiert mit der Sprache, dass einem das Herz aufgeht. Er kreiert neue Wörter, spielt mit dem Satzbau und verzaubert mit fühl-, riech- und schmeckbaren Adjektiven. Er holt alles aus der Sprache heraus und weckt in mir den Wunsch, genauso schreiben zu können. Mit seinem “Grammofon” hat er ein sehr schönes Buch veröffentlicht, von dem ich stark hoffe, dass es einen besseren Bekanntheitsgrad erreicht, wenn es erstmal als Taschenbuch erscheint.
“Schloss Gripsholm” ist bis zum Rand mit schönen, zitierfähigen Sätzen gefüllt: “Es war so still, dass man die Kohlensäure in den Gläsern singen hörte.” und “Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.” sind nur zwei Beispiele aus einer wahren Fundgrube.
Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Eins?! Diese Beschränkung ist unmöglich! Es gibt viel zu viele Bücher, die ich liebgewonnen habe. Da ist “Anne of Green Gables” von Lucy M. Montgomery. Ein Buch, das vor gut 100 Jahren geschrieben wurde, und jetzt noch wunderbar funktioniert. Ein Buch zum träumen, lachen und weinen. Ein Mädchenbuch eben. Oder “Die Stadt der träumenden Bücher” von Walter Moers. Eine herrliche Liebeserklärung an das Buch und voller skurriler Gestalten, wie zum Beispiel die knuffigen Buchlinge, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. “Pride and Prejudice” von Jane Austen gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern. Eine sehr feine Gesellschaftsatire einer tollen Beobachterin.
Ach, ich könnte ewig weiterschreiben. Es gibt so viele Bücher, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben und es alleine deshalb verdient haben, als “Lieblingsbuch” bezeichnet zu werden. Denn haften bleiben nur Bücher, die in mir etwas bewegen.



