Bergaufschleichen

Die Erfolge beim Hörenlernen sind meistens nicht sofort spürbar. Deshalb ist es mir lange Zeit gar nicht aufgefallen, dass sich mein Sprachverständnis bereits erheblich gebessert hat. Bewusst wurde es mir erst, als ich mich mit einem Freund unterhielt und er aus alter Gewohnheit alles wiederholte, wenn ich nicht sofort antwortete. Als ich das dritte Mal sagte, dass ich den Satz sofort verstanden hatte, wusste ich, dass etwas anders ist.

Natürlich muss ich immer noch nachfragen, aber bei weitem nicht mehr so oft wie früher. Flüssige Unterhaltungen zu führen ist keine Utopie mehr, selbst wenn es um mich herum nicht so leise ist. Ich kriege immer öfter mit, worüber sich die Kollegen in der Kantine unterhalten, und kann mich manchmal sogar beteiligen. Vor dem CI habe ich mich meistens zurückgehalten, weil es für alle Beteiligten einfach zu anstrengend war, wenn alles ständig wiederholt werden musste.

Es ist seltsam, wie einen das Hörenlernen verändern kann. Die dafür notwendige Geduld ist einfach da, obwohl ich mich wahrhaftig nicht als geduldigen Menschen bezeichnen würde. Die Hibbeligkeit, die mich meistens beim Warten begleitet, fehlt komplett. Ich weiß einfach, dass es sich weiterhin stetig verbessern wird, und diese Gewissheit lässt mich ruhiger werden.

Manchmal läuft es allerdings nicht so toll. An manchen Tagen geht fast gar nichts, das Gehirn scheint übermüdet zu sein. Letzten Montag hatte ich das Gefühl, dass die für das Hören zuständige Synapsen zum Streik aufgerufen und die Signale absichtlich in den See des Vergessens* geleitet haben. Letzten Samstag war es in lauter Umgebung ähnlich schwierig eine Unterhaltung zu führen, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, dass das Gehirn die Arbeit verweigerte, und obwohl ich unter ähnlichen Bedingungen schon wesentlich besser gehört hatte. Heute, beim Batterienwechsel, habe ich auch endlich herausgefunden, weshalb es so war: Ich habe am Freitag beim Kickern wieder mal die Lautstärke heruntergeschaltet und später vergessen. Merke:  Öfter mal die Lautstärke prüfen …

*Wer nicht weiß, was der See des Vergessens ist: Unbedingt “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” von Walter Moers lesen. Nein, das is kein Kinderbuch!

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 25. Januar 2010 um 22:59 | Permanent-Link

    Oh, ich sollte mal wieder Käpt’n Blaubär lesen, der See des Vergessens ist schon halb ins – ähm, Vergessen abgeglitten…

    Und: wie schön, dass es solche Fortschritte gibt! :)

  2. Erstellt am 6. Februar 2010 um 14:08 | Permanent-Link

    Mir gefällt dein Blogeintrag sehr gut.

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