Freiburg-Impressionen

Jedes Mal, wenn ich in Feiburg bin, verliebe ich mich ein bisschen mehr in die Stadt. Und nehme mir vor, irgendwann nach Freiburg zu ziehen. Später, wenn ich groß bin.

Einige Eindrücke von heute:


Hey Mickey!


Erste Adresse für Frustkäufe?


Stadtblick


Schlossbergturm


Nummer 5 lebt! Aber warum so traurig?


Im Focus


Freiburger Münster


Feierabend

Bücher Bücher Bücher!

Das Wochenende ist da, das Wetter ist nicht besonders vielversprechend und du weißt noch nicht, was du lesen sollst? Fünf Bücher hilft: Verschiedene Leute stellen ihre fünf Lieblingsbücher vor. Und tun das teilweise auf so eine anregende Weise, dass mein Warenkorb bei Amazon beängstigend wächst. Dank der Seite habe ich mir auch endlich The Ultimate Hitchhiker’s Guide to the Galaxy auf den Kindle geladen, obwohl ich die Übersetzung schon mehrmals gelesen habe. Aber von manchen Büchern kann man einfach nicht genug bekommen. Von Websites übrigens auch nicht. Fünf Bücher ist eine der tollsten Blogideen der letzten Jahre.

Wien-Impressionen II

Wien war in meiner Vorstellung immer eine furchtbar romantische Stadt, vielleicht sogar die romantischste Stadt überhaupt. Aber was will man auch machen, wenn man mit Sissi aufwächst und sich im Erwachsenenalter hoffnungslos in Before Sunrise verliebt? Dass das heutige Wien nicht mehr viel mit dem Sissi-Wien gemein haben kann, war mir natürlich klar, aber dass es ganz anders wirkt als in Before Sunrise, das hätte ich nicht gedacht. Natürlich hatte ich nicht erwartet, dass auf einmal Jesse und Celine vor mir stehen, aber ich hatte eine bestimmte Vorstellung von der Stadt, die sich mit der Realität einfach nicht deckte.


Bild: Kettenkarussell „Luftikus“ im Prater

Es ist nicht so, dass ich es nicht schön fand, oh nein! Nur hatte ich mir Wien ein bisschen kleiner, verträumter und romantischer vorgestellt. In echt erwartete mich eine Metropole, die von wild um sich knipsenden Touristenwalzen überrollt wird. Gemütliche Gassen, ruhige Plätze und eine romantische Atmosphäre musste ich schon bewusst suchen.


Bild: Donaublick

Mich störte es etwas, dass einige Touristen recht rücksichtslos waren. Samstags wollte ich mir noch einmal das grandiose Lichtspiel im Stephansdom anschauen und fand mich inmitten eines Gottesdienstes wieder, den ich natürlich nicht besuchen wollte. Allerdings merkte ich nicht sofort, dass ein Gottesdienst im Gange war, weil sich die Touristen im hinteren Bereich des Doms laut unterhielten, mit Blitz fotografierten und sich auch nicht gerade leise fortbewegten. Ich bin nicht religiös und suche Kirchen nur noch aus Sightseeingsgründen auf, aber diese Respektlosigkeit hat mich umgehauen.

Da es nicht weiter verwunderlich, wenn die Wiener den Eindruck erwecken, dass sie keine Lust auf Touristenströme haben. In einigen Kaffeehäusern und Restaurants kam mir die Bedienung unterkühlt vor, und auch sonst hatte ich das Gefühl, dass der Wiener an sich eher genervt von seinem Umfeld ist.


Bild: Beschriftungen damals und heute

Da mir viele Eintrittspreise in Wien zu hoch waren, habe ich viele der üblichen Sehenswürdigkeiten ausgelassen und mich mehr auf Kaffeehäuser, Gassen, Fassaden und Touristen konzentriert. Touristen beobachten kann nämlich unfassbar spannend sein. Ich fand es faszinierend, wie viele Leute wild knipsend durch die Stadt rannten, ohne auch nur fünf Minuten innezuhalten, ohne das, was sie gerade fotografierten, genauer anzuschauen. Die einzige Erinnerung, die diese Leute mitbringen, sind vermutlich die Bilder. Bilder von Orten, die sie nie richtig gesehen haben.


Bild: Dach des Stephandoms

Dabei gibt es jede Menge Details zu entdecken, wenn man sich die Umwelt etwas genauer anschaut. Aber dazu ist unsere Welt für viele Leute vermutlich zu schnell geworden, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit ansehen zu wollen ist kein Ausnahmeverhalten.


Bild: Radweg-Schild meets Scherzbold

In Wien wurde mir bewusst, dass auch ich oft zu diesen schnellen Leuten gehöre. Hinrennen, kurz anschauen, weiterrennen – das ist auch mir nicht fremd. Es tut gut, von diesem Schema Abstand zu nehmen, sich treiben zu lassen, ohne feste Ziele und Absichten. Man erlebt die Stadt mit ganz anderen Augen.


Bild: Biergarten-Graffiti

Am Anfang habe ich bewusst nach Schauplätzen aus Before Sunrise Ausschau gehalten. Ich wollte den Friedhof der Namenlosen sehen, exakt das Donauufer, an dem Jesse und Celine den Dichter trafen, und im gleichen Kaffeehaus wie die beiden eine Melange trinken. Es war nahezu nicht zu verwirklichen. Der Regisseur hatte einen tollen Blick für wirklich schöne Plätze abseits der üblichen Touristenströme. Ich fand zwar heraus, wo der Friedhof der Namenlosen ist, schaffte es aber leider nicht, ihn auch aufzusuchen, dazu ist er einfach zu weit außerhalb. Die restlichen Örtlichkeiten waren gar nicht aufzutreiben, das Donauufer ist zu lang, um rein zufällig die richtige Stelle zu finden, und wie die ganzen Kaffeehäuser hießen, wusste ich nicht. Als ich mich jedoch am letzten Tag einfach treiben ließ, stand ich plötzlich auf einem Platz, den ich die Tage zuvor gesucht hatte: Auf diese Platz ließ sich Celine von einer alten Wahrsagerin die Zukunft aus der Hand lesen. Obwohl ich den Namen des Cafés nicht mehr wusste, war ich mir sicher, dass ich richtig bin. Leider waren alle Tische besetzt und ich hatte nicht mehr viel Zeit, deshalb musste ich auf einen Kaffee verzichten.


Bild: Kleines Café

Wien ist auf jeden Fall eine Reise wert, auch wenn die Stadt ganz anders ist, als ich ursprünglich dachte. Doch was wäre das Leben ohne Überraschungen? Dennoch, das nächste Mal plane ich meinen Aufenthalt wenigstens ein kleines bisschen im Voraus, damit ich auch den Friedhof der Namenlosen aufsuchen kann. Dass ich das nicht geschafft habe, finde ich richtig schade. Aber andererseits habe ich so einen guten Grund, Wien noch einmal zu besuchen. Servus, bis zum nächsten Mal!


Bild: Donau bei Nacht

Können Tauben eigentlich lachen?

Wenn sich früher jemand bei mir beschwerte, dass ihn diverse Vögel viel zu früh wecken würden, kicherte ich immer nur und meinte, dass die mir ja zum Glück nichts anhaben könnten, weil ich sie nicht hören würde. Mittlerweile höre ich die Piepmätze dank CI zwar auch, aber wecken können sie mich immer noch nicht, weil ich den Sprachprozessor im Bett natürlich nicht trage. Also schlummerte ich immer friedlich dem Weckerklingeln entgegen, unbehelligt von den Naturgewalten.


Symbolbild: Buntes und vorbildlich stilles Federvieh im Tropenhaus des Haus des Meeres in Wien.

Doch dann kamen die Tauben. Nein, nicht gehörlose Menschen, sondern die Tiere. Diese verteilen sich mit Vorliebe rund um meine Wohnung. Balkongeländer, Regenrinne am Dach, auf dem Fensterbrett vor dem Badezimmerfenster und auf dem Fensterbrett vor dem Schlafzimmerfenster. Letzteres scheinen sie in den frühen Morgenstunden ganz besonders zu lieben, denn dort lässt sich wunderbar die aufgehende Sonne angurren. Und zwar mindestens so lange, bis ich wach bin. Denn Tauben gehören zu den 5 Prozent der Vögel, die ich dank ihrer tiefen Stimmen ohne CI höre. Tja, da sitzen sie nun, lassen nicht locker, bis ich endlich mit einem lauten Stöhnen wach werde, und dann, ich schwör!, lachen sie hämisch, bevor sie zufrieden davonflattern.

Bitte pfeift die Viecher wieder zurück, ich habe meine Lektion gelernt!

Wiener Schilderwald

Wien ist voller Sehenswürdigkeiten, kaum ein Reiseführer kommt mit weniger als 200 Seiten aus. Sehenswert sind aber auch viele alltägliche Kleinigkeiten, die in keinem Reiseführer beschrieben sind, wie zum Beispiel die kuriosen Ermahnungen und Informationen in der Tram.


Schild: „Bitte sich festzuhalten“

Dieses Schild hängt in genau dieser holprigen und unbeholfenen Formulierung in jeder Tram. Wie man es schafft, eine dermaßen sperrige Passivkonstruktion hinzukriegen, wo es ein simples „Bitte festhalten“ auch tun würde, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Noch mehr Schilder aus der Tram:


Schild: Beißkorb und Leine

Beißkorb, wie niedlich. Gefällt mir besser als Maulkorb. Für diese Regelung war ich übrigens sehr dankbar, als ein riesiger Dalmatiner meinte, an mir herumschnüffeln zu müssen. Sicher, er war garantiert gaaaanz harmlos und wollte nur spielen, aber wenn ein Hund so aussieht, als könne er mich mit einem Haps verschlingen, freue ich mich schon sehr, wenn er einen Beißkorb trägt.


Schild: Jugendliche bitte überlaßt älteren oder gebrechlichen Personen die Sitzplätze

Auch eine nette Formulierung. Immerhin aktiv formuliert, aber dennoch… Naja. Wenigstens das fehlende Komma hätte noch reingedurft.


Schild 1: Achtung Auftritte freihalten Türen schließen selbsttätig
Schild 2: Wollen Sie aussteigen? Bitte rechtzeitig Druckknopf betätigen

Auftritte, selbsttätig, Druckknopf … Unsere Nachbarn verwenden in der Tat lustige Wörter. Sagen sie aber sicher auch über uns.


Straßenschild: Taubstummengasse

In Wien gibt es eine Taubstummengasse. Krasser Name, zumal politisch unkorrekt. Aber das lässt sich durch das Alter der Gasse entschuldigen, damals wussten es die Leute einfach nicht besser.


Bild: Überdimensionales Ohr + Tür mit der Beschriftung „Radiokulturhaus“

Kurioserweise befindet sich in der Nachbarstraße der Taubstummengasse das Radiokulturhaus, dessen Vorplatz mit einem riesigen Ohr geschmückt wurde.

Eine Blindengasse gibt es übrigens auch. Die habe ich auf dem Weg zum Westbahnhof zufällig gesehen, aber nicht fotografiert.

Für Leute wie mich, die ohnehin an keinem Schild vorbeigehen können, ohne es zu lesen, ist Wien eine wahre Fundgrube. Es lohnt sich, immer einen Blick für die Umwelt zu haben, selbst wenn man gerade in einer vermeintlich langweiligen Straßenbahn sitzt.

Sommer

Auf der Wiese liegen. Auf Bäume klettern. Blumen pflücken. Baumhäuser bauen. Kirschbäume plündern. Füße in den Dorfbach hängen. Wasserbombenschlachten. In rauen Mengen Wassereis essen. Sommersprossen zählen. Blaue Flecken zählen. Heftpflaster zählen. Barfuß über den heißen Asphalt hüpfen. Der Dorffußballmannschaft zujubeln. Dem Eiswagen nachrennen. Die Luft nach dem Sommerregen inhalieren. Rollschuh laufen. Rad fahren. Gummitwist spielen. Hüpfkästchen. Schnitzeljagd. Verstecken. Ich sehe was, was du nicht siehst. Abklatschen. Barbiepuppen. Fußball. Völkerball. Pfannkuchen mit Kopfsalat. Radieschen. Selbstgesammelte Pfifferlinge. Steinpilze. Blaubeeren. Walderdbeeren. Sauerampfer. Gänseblümchenketten basteln. Eidechsen und Blindschleichen beobachten. Grashüpfer fangen. Hufmännel suchen. Nachbars Pferde füttern. Eisgekühlte Wassermelone. Pommes auf der Schwimmbadwiese. Rhabarberkuchen mit Baiserhaube. Erdbeerkuchen mit Schlagsahne. Frischgepflückte Tomaten. Bohnengemüse mit Spiegelei. Unter dem Rasensprenger durchrennen. Im Sommeregen tanzen. Auf Sandsteinfelsen klettern. Im Burgruinenkeller den Geist des Ritters suchen. Urzeitkrebse züchten. Micky Maus lesen. Tierposter aus der Apotheke aufhängen. Pippi Langstrumpf. Anne auf Green Gables. Origami. Das Ferienprogramm im ZDF. Weidenflöten schnitzen. Raider. Ed von Schleck. Solarzeppelin auf dem Sportplatz steigen lassen. Halbgeschmolzene Schokozigaretten. Schleckmuscheln. Regenwürmer ausgraben. Holzschiffchen basteln. Flieger aus Kastanienblättern. Haarkränze aus Wiesenblumen. Das Leben genießen. Lachen.

Nie erwachsen werden müssen. Dorfkindheit im Sommer. ♥