Untertitel anderswo II

Als Fan amerikanischer Filme gehörte ein Kinobesuch in Seattle natürlich zum Pflichtprogramm. Nur ist ein Kinogang für mich oft frustrierend, weil ich mehr als die Hälfte nicht verstehe. Deshalb googelte ich vorher nach Kinos, die Untertitel für Schwerhörige anbieten, und wurde direkt fündig. Im Regal Seattle gibt es ein grandioses Untertitelsystem: Die Untertitel werden nicht auf der Leinwand eingeblendet, sondern laufen auf einer Spezialbrille mit, die man sich kostenlos an der Kinokasse ausleihen kann. Auf diese Weise können schwerhörige und gehörlose Menschen einen Filmabend im Kino genießen, und Normalhörende fühlen sich von den Untertiteln nicht genervt.


Bild: Untertitelbrille (iPhone-Foto, die Qualität lässt leider zu wünschen übrig).

Erst dachte ich, dass die Untertitel zu schwer lesbar wären, aber nachdem ich die Brille einige Male hin und her rückte, passte es. Auch die anfänglichen Kopfschmerzen verschwanden, nachdem ich den richtigen Winkel gefunden hatte. Die Brille bietet zudem einige Einstellungsmöglichkeiten: Man kann die Entfernung einstellen (nah, mittel, fern) und zwischen zwei Schriftgrößen wählen (klein und groß) und den Sprachkanal einstellen. Drei verschiedene Kanäle gibt es, somit ist die Brille auch für Liebhaber des Originaltons nützlich, wenn sie zusätzlich gerne Untertitel in der Originalsprache oder Landessprache haben möchten.

Die Schrift liest sich wie ein LED-Display: Neongrün und grobpixelig, aber durchaus gut lesbar. Bei sehr hellen Bildern hatte ich manchmal leichte Probleme, aber in diesem Fall kann man einfach kurz in den dunklen Kinosaal schauen, um den Text lesen zu können. Vom Film geht dadurch nicht viel verloren, jedenfalls nicht für jemanden, der es ohnehin gewohnt ist, untertitelte Filme zu schauen.

Nachteile gibt es allerdings auch: Die Brille ist recht schwer, auch 30 Minuten nach Filmende konnte man noch sehr genau sehen, wo die Brille auf meiner Nase saß. Brillenträger haben vermutlich keine Chance, die Untertitelbrille vor der regulären Brille zu tragen – ich habe es gar nicht erst versucht und bin auf Kontaktlinsen ausgewichen. Aber das sind alles Dinge, die bei Weiterentwicklungen berücksichtigt werden können. Wichtig ist, dass es das System überhaupt gibt. Perfekt wäre es, wenn es auch in Deutschland kommen würde, und zwar nicht nur in Großstadtkinos, sondern flächendeckend. Aber da mache ich mir keine allzu großen Hoffnungen, Deutschland hinkt in Sachen Untertitel ohnehin weit hinterher.

Angeschaut habe ich mir übrigens „Horrible Bosses“, ein trotz einiger recht flacher Witze sehenswerter Film mit tollen Schauspielern. Einzig Charlie Day (Dale), der für die meisten flachen Witze verantwortlich war, ging mir ein bisschen auf die Nerven. Grandios fand ich die Darstellung der Horrible Bosses Dave Harken (superfieser Kevin Spacey) und Dr. Julia Harris (Jennifer Aniston in einer sehr ungewohnten Rolle).

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