Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Vorab: Dieser Text könnte den Spaß am Buch verderben. Wer das Buch völlig unvoreingenommen lesen möchte, sollte hier ab dem nächsten Absatz nicht mehr weiterlesen.

Walter Moers Bücher üben eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Er gehört zu den wenigen Autoren, deren Bücher ich quasi blind kaufe. Ohne den Klappentext zu lesen, ohne Leseprobe, ohne anlesen in der Buchhandlung. Mir ist es egal, ob seine Bücher in Zamonien spielen oder ob er uns die Geschichte eines Monarchen mit Sprachfehler erzählt. Denn erzählen kann Walter Moers richtig gut.

Leider tut er das im Labyrinth der Träumenden Bücher im Überfluss. Er beschreibt alles bis ins kleinste Detail, geht mir mit unzähligen Abschweifungen auf die Nerven und redet ewig um den heißen Brei herum. Er schwafelt. Sicher, genau das tut er in all seinen Büchern, das gehört zu seinem einzigartigen Stil. Aber im Labyrinth macht er fast nichts anderes, und das fand ich stellenweise dermaßen langweilig, dass ich das Buch längst weggelegt hätte, würde es sich um ein Werk eines mir unbekannten Autoren handeln. Bei Walter Moers dagegen weiß ich, dass es sich lohnt, durchzuhalten, dass es irgendwann spannend wird. Allerdings nehme ich es ihm trotz seiner niedlichen Entschuldigung im Nachwort übel, dass erst auf den letzten 30 Seiten richtige Spannung aufkommt. Das Labyrinth der Träumenden Bücher ist ein Brückenbuch, ein 427 Seiten langer Cliffhanger, der auf den nächsten Band vorbereiten soll.

Laut Nachwort war es so nicht geplant, er hatte die Arbeit am Buch unterschätzt und musste es aufteilen, weil der Verlag mit einer Verschiebung nicht glücklich gewesen wäre, aber mal ehrlich: War das ganze Geschwafel wirklich notwendig? Ein sehr großer Teil des Buches geht für einen Rückblick drauf, die Stadt der Träumenden Bücher wird quasi nacherzählt. Ein anderer Teil beleuchtet den in diesem Band neu eingeführten Puppetismus bis ins kleinste Detail. Der Puppetismus scheint zwar eine große Rolle zu spielen, aber die ganzen Abhandlungen dazu fand ich noch langweiliger als den Rückblick. In dem Buch passiert quasi nichts, und das ist enttäuschend. Trotz der wie immer grandiosen Zeichnungen, trotz des unvergleichlichen moersschen Wortwitzes. Immerhin versteht er es perfekt, auf den letzten Seiten das Verlangen nach einem Nachfolger zu wecken. Ich hoffe, dass dieser hilft zu verstehen, weshalb der Cliffhanger so ausführlich sein musste. Denn im Moment sehe ich den Sinn nicht und fühle mich hingehalten. Herr Moers, ich hoffe auf eine angemessene Entschädigung im nächsten Band. Und ganz viele Buchlinge!

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