Hörgerät, CI und Hybrid – was ist das eigentlich?

Wenn ich anfange, von meinem CI zu erzählen, neige ich dazu, meine Zuhörer mit den Begriffen „CI“, „Hörgerät“ und „Hybrid“ gnadenlos zu verwirren. Das führt immer wieder zu denselben Rückfragen, die ich hier beantworten möchte.

Was ist ein Hörgerät?
„Hörgerät“ ist strenggenommen der Oberbegriff für alle Hörhilfen, wird aber in der Regel für herkömmliche Schallverstärkungsgeräte verwendet. Diese Geräte können Schwerhörigkeit häufig ausgleichen und somit eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität von Schwerhörigen erreichen. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn die Haarzellen im Ohr noch intakt sind. Haarzellen sind winzig kleine Härchen im Innenohr, die für die Weiterleitung des Schalls (= alle Geräusche) an die Hörnerven zuständig sind. Die Hörnerven wiederum gegeben den Schall an das Gehirn weiter, wo das Gehörte entschlüsselt und verarbeitet wird. Wenn die Haarzellen nicht mehr intakt sind, kann ein Hörgerät nichts ausrichten. Der verstärke Schall landet im Innenohr und verpufft dort, weil es nichts mehr gibt, was den Schall weiterleiten könnte.

Genau das ist bei mir der Fall: Die meisten Haarzellen sind kaputt. Deshalb konnte man mir mit Hörgeräten nie helfen. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Geräte getestet, analoge wie digitale, aber keines davon konnte eine spürbare Verbesserung erreichen. Meine Schwerhörigkeit ist zu tückisch: ich habe einen sogenannten Hochtonsteilabfall. Das bedeutet, dass ich tiefe Töne gut höre (manche Frequenzen sogar sehr gut), hohe Töne aber gar nicht mehr. Nur an der Stelle, an der die Kurve steil nach unten geht, könnte man vielleicht noch mit einem Hörgerät ein bisschen was machen. Allerdings würde das mein Sprachverständnis absolut nicht verbessern, weil mir die meisten fürs Sprachverständnis notwendigen Frequenzen fehlen.

Was ist ein CI?
Ein Cochlea-Implantat, kurz CI, kommt dann zum Einsatz, wenn die Haarzellen nicht mehr funktionieren, aber der Hörnerv noch intakt ist. Das Implantat wird im Rahmen einer 2-3 stündigen Operation eingesetzt. Dabei wird eine Elektrode in die Hörschnecke (Cochlea) geschoben. Diese Elektrode ersetzt die zerstörten Haarzellen und leitet fortan die Geräusche in Form von elektronischen Impulsen weiter.

Die Elektrode ist mit einem Magneten verbunden, der hinter dem Ohr unter der Haut sitzt. Dort kommt von außen die sognenannte Spule drauf, in der ein wesentlich stärkerer Magnet sitzt, so dass die Spule nicht verrutscht. Über diese Spule werden die Impulse übermittelt, die vom Soundprozessor zuvor verarbeitet wurden.

Der Soundprozessor selbst sitzt hinter dem Ohr und sieht wie ein herkömmliches Hörgerät aus, ist aber in der Regel wesentlich größer als die modernen Hörgeräte.


CI-Soundprozessor von der Firma Cochlear (Modell Freedom)

Cochlea-Implantate sind für gehörlose oder fast gehörlose Menschen geeignet. Allerdings sollte das CI so schnell wie möglich nach Eintreten der Gehörlosigkeit eingesetzt werden, wenn man eines haben möchte. Also entweder bald nach der Geburt, oder, falls man spätertaubt ist, bald nach der Ertaubung. Gehörlose Menschen, die taub zur Welt gekommen sind, werden sehr wahrscheinlich nicht vom CI profitieren können, wenn sie dieses erst im Erwachsenenalter bekommen. Das Gehirn muss Sprache erkennen und mit den Signalen umgehen können, um sie richtig verarbeiten zu können.

Was ist ein Hybrid-CI?
Das Hybrid-CI ist eine Mischung aus Cochlea-Implantat und Hörgerät. Es ist für mich am besten geeignet, denn es wurde für Menschen mit Hochtonsteilabfall und an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit entwickelt. Bei einem Hybrid-CI wird ebenfalls eine Elektrode in die Hörschnecke geschoben, diese ist aber in der Regel etwas dünner und kürzer als die normalen CI-Elektroden. Daduch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Restgehör bei der Operation erhalten bleibt.

Der Soundprozessor ist beim Hybrid-CI noch etwas komplexer als beim normalen CI; dieser wird so programmiert, dass bestimmte Frequenzen über die Schallleitung (also das Hörgerät) übermittelt werden, und alle anderen Frequenzen über die Elektrode, also über das CI. Beim Hybrid gibt es im Gegensatz zum CI auch noch ein Ohrpassstück, in dem sich der Lautsprecher für das Hörgerät befindet. Beim CI ist der Gehörgang frei.


Hybrid-Soundprozessor von der Firma Cochlear

Für mich ist das Hybrid-CI ein Segen. Jahrelang habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mein Gehör zu verbessern, bin aber immer wieder gescheitert. Man sagte mir, dass ich für ein Hörgerät zu schlecht hören würde, für ein CI aber zu gut. Es schien kein medizinisches Hilfsmittel zu geben, das mir mein Wunschleben ermöglichen konnte. Zwar kam ich mit meiner Schwerhörigkeit durchaus zurecht, aber es gab zu viele Situationen, die unnötig stressig oder gar unmöglich zu bewältigen waren. Alltägliches wie Meetings mit mehreren Leuten, simple Telefonate, lockere Gespräche in der Kneipe nach Feierabend – all das war für mich entweder nicht möglich oder nur unter allergrößter Anstrengung zu bewältigen.

Als ich das Hybrid entdeckte und man mir auch sagte, dass ich tatsächlich eine Kandidatin bin, war ich überglücklich. Allerdings war der Weg von der Operation zum sorgenfreien Einsatz des Hybrids nicht einfach, es dauerte gut zwei Jahre, bis ich wirklich vom Hybrid profitierte. Der Lernprozess ist langwierig und anstrengend, vor allem, wenn man wie ich erst spät operiert wird und nie gehörte Töne ganz neu lernen muss. Mir war von Anfang an bewusst, dass es nicht einfach sein wird; nur deshalb war die Herausforderung zu meistern. Es war sehr viel Geduld notwendig, sowohl von mir, als auch von meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen.

Ich bin sehr froh, dass ich mich für das Hybrid entschieden habe. Zwar bin ich immer noch schwerhörig und es ist immer noch schwierig, weil nur ein Ohr versorgt wurde, aber im Vergleich zu früher ist doch alles um einiges leichter geworden. Nur für Meetings und laute Umgebungen bräuchte ich beide Ohren, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Deshalb möchte ich demnächst auch noch das linke Ohr operieren lassen, und zwar ebenfalls nach dem restgehörerhaltendem EAS-Verfahren (EAS = Elektrisch-akustische Stimulation).

War das schon alles?
Nein. Dieser Artikel ist weit davon entfernt, vollständig zu sein. Es gibt noch viel mehr Hörgeräte, wie z.B. Knochenleitungsimplantate. Da diese für meine Art der Schwerhörigkeit aber ungeeignet sind, habe ich mich noch nie mit diesen Geräten auseinandergesetzt und kann folglich auch nichts dazu sagen. Auch Hörgerät, CI und Hybrid sind nicht vollständig beschrieben, sondern sehr oberflächlich, um einen allgemeinen Überblick zu bieten.

3 Gedanken zu „Hörgerät, CI und Hybrid – was ist das eigentlich?“

  1. hallo und danke für deine ausführliche Erklärung , ich bin in ähnlicher Situation gegenwärtig , das ich mich wohl mit einem hybrid hörgerät anfreunden muss. Ich bin rechst hochgradig schwerhörig und ( innerhalb eines jahres ein hörverlust von 30 db) hab ein MRT Termin erst noch vor mir im April, zwecks abklären ob es nicht ein AN ( akustikusneronium = gutartiger hirntumor am gleichgewichts und hörnerv) ist, aber ich wie du auch ein extremem hochton abfall habe und mom nur mit einem IDO hörgerät versorgt bin, ich kann dir bei interesse gern mal meine hörkurve zeigen.

    mfg
    Lars

  2. Hallo und erstmal vielen dank für die Erklärung… Bin nun 16 und trage seit 13 1/2 jahre hörgeräte… Nun stelle ich fest das ich mit der Zeit in der Schule etwas schlechter hören kann und wenn ich mit meiner Eltern reden will muss alles sehr sehr stumm sein. Und deswegen lautet meine Frage:Lohnt es sich noch vor mein 17. Geburtstag einen höruntersuchung in der Geers Kinderklinik und Jugendliche in Datteln machen lassen und mit der Beratung eines CI?

  3. Hallo,

    so richtig kann ich die Frage gar nicht beantworten, ich bin ja keine echte Expertin. Allerdings denke ich schon, dass sich eine Voruntersuchung lohnt; schon alleine deshalb, weil du dann Gewissheit hast, ob die Hörgeräte noch ausreichend sind oder ob ein CI eine bessere Lösung wäre. Es kann auch sein, dass modernere Hörgeräte schon viel bessere Ergebnisse bringen, das werden die Ärzte dann schon herausfinden.

    Die Klinik kenne ich allerdings nicht, zu der kann ich nichts sagen. Meine Erfahrung beschränkt sich auf die Uniklinik in Freiburg.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du eine für dich funktionierende Lösung findest. Mittlerweile lässt sich ja wirklich viel machen.

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