Neuschwanstein und Hohenschwangau

Eigentlich mag ich dieses Wort nicht. Pflichtprogramm. Das klingt so nach Kehrwoche, Zimmer aufräumen, Wäsche waschen. Arbeit eben. Nach Urlaubsvergnügen klingt es jedenfalls nicht. Zu einem Besuch des vermutlich berühmtesten deutschen Märchenschlosses, Neuschwanstein, passt es aber. Weil es schon ein kleines bisschen Arbeit ist. Zumindest ist es anstrengend.

Neuschwanstein
Neuschwanstein, frisch verpackt

Es fängt schon damit an, dass man sich vor dem Ticketschalter durch diese Touristentrenner schlängeln muss, diese durch Bänder verbundenen Pfosten, wie man sie auch aus Vergnügungsparks kennt und die dafür sorgen, dass alle gesittet anstehen. Ab der Eingangstür dauert es 45 Minuten, steht auf einem großen Schild. Jetzt ist viel Geduld angebracht, vor allem, wenn man von schreienden Kleinkindern umzingelt ist, die sich natürlich ganz furchtbar langweilen. Alleinreisenden möchte ich an der Stelle unbedingt empfehlen, sowohl Oropax, als auch ein spannendes Buch mitzubringen.

Hat man es an die Kasse geschafft, muss man sich entscheiden, was man sehen möchte: Nur Neuschwanstein, oder auch Hohenschwangau? Wenn beides, dann in welcher Reihenfolge? Wobei letzteres oft schon durch die nächstmöglichen Führungstermine vorgegeben ist. Neuschwanstein scheint wesentlich besser besucht zu sein, deshalb ist es sinnvoll, sich erst Hohenschwangau anzuschauen, wenn man beide Schlösser besuchen möchte.

Neuschwanstein/Parkplatz
Ausblick beim Aufstieg zum Schloss Hohenschwangau

Den Ticketshop verlässt man durch den ersten der vielen Souvenir-Shops. Abgesehen von einer überteuerten Cola kauften wir aber nichts und machten und stattdessen auf den Weg zum Schloss Hohenschwangau, das über eine Treppe in gut 5 Minuten erreichbar ist – normalerweise. Wir schafften das natürlich nicht, weil ich auf jeder zweiten Treppenstufe stehen bleiben musste, um die perfekte Fotoperspektive zu finden. Gefunden habe ich diese erst viel später, als wir schon auf dem Rückweg von Neuschwanstein waren.

Hohenschwangau
Blick auf Hohenschwangau

Oben mussten wir uns noch ein bisschen die Zeit vertreiben und schlenderten nach einer ausgiebigen Fotosession in einen weiteren Souvenir-Shop, wo wir äußert kitschige Bierkrüge und andere seltsame Dinge bestaunten. Am kuriosesten ist allerdings die mit Postkarten bestückte Geheimtür, die urplötzlich mit Schwung geöffnet wurde und mir beinahe an den Kopf knallte. Die Postkarte, die ich in der Hand hatte, kaufte ich daraufhin vorsichtshalber nicht; es schien mir zu gefährlich zu sein.

Wir retteten uns wieder nach draußen, wo die digitale Anzeige auch schon die Nummer unserer Führung anzeigte. Die Führung an sich war recht interessant, fotografieren durfte man aber leider nicht. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich vom meisten Prunk im Inneren eher unbeeindruckt war und die Aussicht auf den Alpsee am schönsten fand. Ich will damit keineswegs sagen, dass Hohenschwangau langweilig war, aber großartige Naturszenarien haben mich schon immer mehr beeindruckt. Ich bedauerte zutiefst, dass man nicht fotografieren durfte – ich hätte zwar nur aus dem Fenster fotografiert, aber wenn ich erstmal die dicke DSLR ausgepackt hätte, wäre ich bestimmt unter Generalverdacht geraten. Weil ich die Führung nicht stören wollte, ließ ich es bleiben.

Alpsee
Alpsee

Nach der Führung rannten wir rüber zum Schloss Neuschwanstein. OK, wir rannten nicht direkt, hatten aber trotz der Steigung ein ordentliches Tempo drauf, sodass wir unter anderem eine Pferdekutsche locker überholten. Meine übliche Panik vor dem Zuspätkommen führte natürlich mal wieder dazu, dass wir viel zu früh dort waren: Zeit für eine weitere Fotopause!

Marienbrücke
Marienbrücke, von Neuschwanstein aus gesehen

Die Führung durch Neuschwanstein fand ich spannender als die Führung auf Hohenschwangau. Was durchaus daran liegen könnte, dass Neuschwanstein schon immer eine unglaubliche Faszination auf mich ausübte, obwohl ich es nur von Bildern und aus einer Schneewittchen-Verfilmung kannte. Es war interessant zu sehen, was der Kini damals alles geplant und gebaut hatte. Am skurrilsten fand ich den Miniraum, der wie eine Tropfsteinhöhle aussah. Wie um alles in der Welt kommt man auf so eine Idee? Nett fand ich auch das Telefon, das zu den ersten Telefonen in Deutschland zählte.

Nach der Führung stärkten wir uns erst mit Kaffee und Kuchen und beschlossen dann, der Marienbrücke noch einen Besuch abzustatten. Leider waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee, das Gedränge auf der winzigen Brücke war unglaublich. Unschön fand ich, dass die meisten Touristen ziemlich rücksichtslos vorgingen und sich mit Ellenbogeneinsatz durchkämpften. Da wünscht man sich doch glatt eine ähnliche Zugangsbeschränkung wie bei den Führungen, damit sichergestellt ist, dass die Brücken nicht gnadenlos überfüllt sind. Uns reichte es jedenfalls recht schnell, Spaß geht wahrlich anders. Immerhin war die Aussicht grandios, zumal man von der Marienbrücke aus die einzige Seite des Schlosses sieht, die nicht mit Gerüsten verbaut ist.

Schloss Neuschwanstein
Neuschwanstein, von der Marienbrücke aus gesehen

Der Besuch der Schlösser lohnt sich auf jeden Fall. Aber man sollte entweder viel Zeit einplanen (einen Tag), oder die Karten im Voraus reservieren, um wenigstens die lange Schlange am Ticketshop zu umgehen.

2 Gedanken zu „Neuschwanstein und Hohenschwangau“

  1. ui da muss ich mal wieder hin. ich fand vorallem die fotos vom bau in neuschwanstein ziemlich krass. fotos vom bau des märchenschloss schlechthin an kahlen betonwänden hängend, mit bauarbeitern drauf, wo man elfen und zwerge vermutet. :)

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