Die Musik, mein CI und ich

Musik war mir schon immer wichtig. Früher lief immer das Radio, wenn ich meine Hausaufgaben machte. Musik half mir zu entspannen, das oft hektische Drumherum auszublenden und mich voll und ganz auf meine Arbeit zu konzentrieren. Das ist heute auch noch so: Nach wie vor höre ich bei der Arbeit am liebsten Musik und bin im Büro meistens mit Kopfhörern anzutreffen. Nur mein Musikgeschmack hat sich geändert: Während ich in meiner Jugend nur die Charts hörte und meine Lieblingslieder eher poplastig waren, höre ich heute lieber härtere Klänge. Heavy Metal und Rock in fast allen Variationen, das ist heute meine Musikwelt. Daran ist mein CI nicht ganz unschuldig.

Schandmaul 2014
Schandmaul in Rastatt 2014

Meine Schwerhörigkeit macht das Musikhören ziemlich kompliziert. Ich höre einige tiefe Frequenzen relativ normal, mittlere Frequenzen deutlich leiser und hohe Frequenzen gar nicht mehr. Kleine Singvögel, Trillerpfeifen, Schellen und Fahrradklingeln höre ich zum Beispiel gar nicht. Tiefe Bässe dagegen sind nahezu vollständig da – wie vollständig kann ich allerdings nicht beurteilen, da ich nie ein intaktes Hörvermögen hatte und nur Vermutungen anstellen kann. Auf jeden Fall hatte ich ohne CI schon immer massive Probleme, wenn ein Song etwas schneller und/oder lauter wurde. Ich dachte zum Beispiel jahrelang, dass Master of Puppets von Metallica bis auf ein ab und zu in den Raum gebrülltes „Master“ ohne Text wäre. Ich habe den Gesang ohne CI schlicht nicht herausgehört, weil die lauten Bässe und das Schlagzeug James Hetfields Stimme komplett überlagert haben. So ging es mir mit den meisten lauten Songs, deshalb mochte ich im Bereich Rock und Metal nur die leisen Balladen. Die meisten lauten Songs waren für mich einfach nur Krach, weil mir zu viele Details fehlten.

Metallica
Metallica bei Rock in Vienna 2015

Mit dem CI hat sich das glücklicherweise geändert. Zwar höre ich garantiert immer noch nicht das ganze Spektrum, aber ich bin mir recht sicher, dass ich die Songs großteils so höre, wie die meisten anderen Menschen auch. Und das genieße ich sehr.

Mittlerweile gehe ich regelmäßig auf Konzerte. Konzerte sind jedoch ein ganz anderes Kaliber als Musik über den Kopfhörer, dort habe ich trotz CI oft wieder meine alten Probleme. Gerade in Hallen ist die Akustik für mich schwierig, recht oft höre ich nicht heraus, welcher Song gerade gespielt wird. Das liegt daran, dass die Bässe für mich zu mächtig sind und Gesang und Gitarre komplett untergehen. Da die reinen Bässe für mich immer relativ gleich klingen, habe ich dann ziemliche Schwierigkeiten, den Song zu erkennen. Bei Open-Air-Konzerten ist das anders, diese Konzerte machen mir deshalb viel mehr Spaß als Konzerte in der Halle.

In Extremo
In Extremo in Merseburg 2014

Auf Konzerten war ich auch schon vor CI-Zeiten, aber relativ selten, weil es einfach nicht so viel brachte. Nur Robbie Williams 2003 in Mannheim hat mir richtig viel Spaß bereitet; ebenfalls besuchte Punkrock-Konzerte dagegen waren akustisch zu schwierig. Robbie Williams jedoch war großartig. Ich glaube, das wird für immer mein bestes Konzert bleiben. Was auch daran liegt, dass ich zu meiner Überraschung mühelos in die dritte Reihe spazieren konnte und die Stimmung ganz vorne so speziell ist, dass es fast schon wieder egal ist, ob und wie viel man hört. Robbie Williams hatte richtig viel Spaß an diesem Konzert und hatte dadurch eine beeindruckende und greifbare Ausstrahlung, die ich nie wieder bei einem Konzert erlebt habe. Auch nicht bei meinem zweiten (und vermutlich letzten) Robbie-Williams-Konzert drei Jahre später. Bilder habe ich von dem Konzert in Mannheim leider nicht, das war lange vor der Smartphone-Zeit. Dafür gibt es aber auf Youtube jede Menge Videos von der Tour. Hier ist mein absoluter Favorit von damals: Me And My Monkey.

Mittlerweile gehe ich mehr auf Rock- und Metal-Konzerte. In Extremo, Schandmaul, Blind Guardian und Metallica waren meine letzten Konzert-Ziele. Da ich Metallica im Rahmen des Festivals Rock in Vienna gesehen habe, kann ich zu der Liste auch noch Faith No More und die Broilers hinzufügen. Faith No More haben mich zum Fan gemacht, die Broilers dagegen fand ich zwar live OK, haben mich aber nicht übermäßig beeindruckt. Momentan steht mir der Sinn nicht so sehr nach Punkrock, das kann sich natürlich jederzeit ändern.

Faith No More
Faith No More bei Rock in Vienna 2015

Das schwierigste Konzert war für mich Blind Guardian, was allerdings an der seltsamen Akustik in der recht kleinen Halle lag. Die Stimmung war grandios, aber bei diesem Konzert war mein altes Problem am stärksten ausgeprägt: Bis auf 2-3 Songs erkannte ich kein Lied, obwohl ich viele davon zuvor mehrmals gehört hatte. Schade. Ich bin jedoch sehr gespannt, ob sich mein Gehör in der Hinsicht noch weiterentwickelt. Bisher habe ich jährlich dazugelernt, auch wenn die Fortschritte so klein sind, dass sie nicht greifbar sind und mir erst im Nachhinein auffallen.

Blind Guardian
Blind Guardian in Stuttgart 2015

Das nächste Konzert wird wieder ein Festival sein, allerdings wesentlich kleiner als Rock in Vienna. In Extremo wird auf der Loreley den 20. Bandgeburtstag feiern und hat unter anderem Schandmaul eingeladen. Ich freue mich schon sehr darauf, die Atmosphäre wird großartig sein. Zumal man sich dort vermutlich halbwegs frei bewegen kann, was bei Rock in Vienna nicht mehr der Fall war. In Wien musste ich lernen, dass große Festivals sind nicht so mein Ding sind. Allerdings war die Akustik in Wien richtig gut. Vom reinen Hören her war Rock in Vienna wahrscheinlich mein erfolgreichster Konzertbesuch bisher, die Songs, die ich kannte, konnte ich auch alle einwandfrei identifizieren. Sogar von Faith No More, die ich vor dem Konzert kaum kannte. Das ist für mich ein richtig großer Erfolg. Es wird.

In Extremo
In Extremo in Merseburg 2014