Nikana backt Brot

Angefangen hat es mit dem Bier. Der Herr des Hauses braut Bier selbst und fürs Bier brauen braucht man jede Menge Getreide. Nach dem Auskochen bleibt ein Getreidebrei übrig, der sogenannte Treber. Diesen kann man den Schweinen verfüttern oder man kann ihn zum Brotbacken verwenden. Mangels Schweine entschied ich mich für letzteres und scheiterte gnadenlos. Ich entschied mich für simple Hefebrote nach dem Schema Teig kneten, eine Stunde gehen lassen, Brotlaib formen, weitere Stunde gehen lassen, backen. Das klappte nur so halb, die Brote waren zu trocken, schmeckten zu sehr nach Hefe und nach zwei Tagen konnte man mit den Resten einen Nagel in die Wand treiben.

treber
Links ist der Treber vom Kastanienbier zu sehen, rechts ein daraus gebackenes Kastanientreberbrot.

Mein Interesse war allerdings geweckt. Ich fror einen Teil des Trebers vom letzten Brautag ein und beschloss, mich erstmal mit dem Brotbacken im Allgemeinen zu beschäftigen. Dazu kaufte ich mir das Brotbackbuch Nr. 1 von Lutz Geißler, der mit seinem Plötzblog eines der größten Brotback-Blogs im deutschsprachigen Raum betreibt und der mir deshalb schon länger ein Begriff war. Seine Rezepte fand ich aber oft zu kompliziert, vor allem wegen der genauen Temperaturangaben bei der Gare. Zum Brot backen braucht man offenbar nicht nur ein gutes Zeitmanagement, sondern auch verschiedene Temperaturzonen in der Wohnung. Im Winter habe ich die zwar schon alleine dadurch, dass ich nicht alle Räume heize, aber die oft angegebenen 24 Grad habe ich nicht, zumindest nicht so punktgenau.

teigling
Mein erstes Sauerteigbrot, frisch aus dem Gärkorb.

Dennoch wollte ich mich daran versuchen. Die immer gleichen Aufbackbrötchen zum Frühstück am Wochenende konnte ich einfach nicht mehr sehen. Denn egal wo ich meine Brötchen kaufte, sie schmeckten immer relativ gleich. Bäcker, die wirklich noch selbst backen, gibt es zumindest in meiner näheren Umgebung nicht und weit fahren, um ein paar Brötchen fürs Frühstück zu kaufen, kann auch nicht das Wahre sein.

So war es klar, dass ich mir für den ersten ernsthaften Brotbackversuch Brötchen vorknöpfen würde, und zwar solche, bei denen man den Teig am Vorabend vorbereiten konnte und die man am nächsten Tag nur noch in den Ofen schieben musste. Auch nicht viel anders als Aufbackbrötchen, außer dass man etwas früher aufstehen oder später frühstücken muss, weil die Brötchen vor dem Backen erst noch etwas gehen müssen.

Meine ersten selbstgebacken Brötchen. Jetzt müssen sie nur noch so schmecken wie sie aussehen und duften.

Ein von Nikana (@nikanaaa) gepostetes Foto am

Der Versuch war ein voller Erfolg. Die Brötchen schmeckten wunderbar, waren fluffig, aromatisch und schmeckten auch am nächsten Tag noch richtig gut, obwohl ich sie mangels Brotbox offen auf einem Teller liegen ließ, was natürlich alles andere als optimal ist.

Mittlerweile habe ich einen Brottopf aus Ton und schon ein paar Brote gebacken, meistens Hefebrote, weil die für Anfänger einfacher sind. Bisher schmeckten mir auch alle Brote, 100 % zufrieden war ich allerdings noch nie. Brot ist eine Wissenschaft für sich, die mit viel Übung und Fehler machen verbunden ist. Aber ich habe viel Spaß am Üben. In meiner Vorratskammer stehen mittlerweile mehr Mehlsorten, als ich vor 3 Wochen überhaupt kannte und ich entwickle mich zur Stammkundin der Dorfmühle, in der man so gut wie alles kriegt. Früher habe ich dort nur Gemüse oder einige Biowaren gekauft, jetzt karre ich auch säckeweise Mehl nach Hause.

mehlsorten
Mehlauswahl in der Speisekammer

Meine Brotbackversuche dokumentiere ich auf Instagram, eine Vorgehensweise, die mir auch noch einige Tipps einbringt. So hat zum Beispiel ein erfahrener Brotbäcker gesehen, dass ich meinen Teig nicht ausreichend schlage/ausstoße und mir gleich entsprechende Tipps zukommen lassen. So ein direktes Feedback ist für mich sehr lehrreich und ein Grund mehr, Social Media zu lieben.

Am Treberbrot werde ich mich demnächst wieder versuchen und berichten. Der Kastanientreber ist durch die leichte Süße eine wunderbare Grundlage für ein leckeres Brot. Mittlerweile ist auch das „Dashinger Keschdebier“ so gut wie fertig und wird in kleinen Mengen ebenfalls in das Brot wandern. Den Rest trinken wir dazu.