Archiv der Kategorie: Backen

Canistrelli à la Châtaigne

Echte Pälzer Keschde
Echte Pälzer Keschde

Korsika ist berühmt für seine Kastanienbäume und seine vielen kreativen Gerichte rund um die Kastanie. Die Kastanie galt früher als Brot der Korsen, jeder hatte seine eigenen Kastanienbäume. Auch heute werden Kastanien zu meiner großen Freude noch verarbeitet.

Ich bin mitten im deutschen Kastanienparadies aufgewachsen, in der Südpfalz. Mein Heimatort wird von wunderschönen Kastanienwäldern gesäumt und natürlich haben auch wir in jedem Herbst fleißig Kastanien gesammelt. Besonders kreativ bei der Zubereitung waren wir allerdings nicht. Die Kastanien landeten entweder im Kochtopf und wurden weich gekocht mit neuem Wein serviert, oder wir rösteten die Kastanien auf der Platte unseres Stubenofens. Vor allem letzteres liebte ich sehr. Es dauerte zwar lange, bis die Kastanien endlich gar waren, aber dieses wunderbare Knistern und Knacken und der immer intensiver werdende Kastanienduft, das ist für mich der Herbst.

Geröstete Kastanien aus dem Backofen
Mittlerweile röste ich die in der Heimat gesammelten Kastanien meistens im Backofen.

Als ich dann auf der Insel war, habe ich mich natürlich sofort auf die Kastanienprodukte gestürzt. Neben dem sehr leckeren Kastanienbier von Pietra verliebte ich mich in die wunderbaren Canistrelli à la Châtaigne, korsische Kastanienkekse. Die mürben Kekse schmecken wunderbar nach Kastanien und passen perfekt zum Kastanienbier oder einen leckeren kühlen Weißwein. Einzig der Platzmangel im Koffer hielt mich davon ab, die Kekse kistenweise zu importieren.

Da man diese Kekse bei uns leider nicht kaufen kann, mache ich mich auf die Suche nach einem Rezept und wurde tatsächlich fündig. Die selbst gebackenen Kekse sind den gekauften Korsika in Geschmack und Konsistenz sehr ähnlich und werden sicherlich noch oft in meinen Backofen wandern. Kastanienliebhabern kann ich das Rezept sehr ans Herz legen.

Das Originalrezept gibt es hier: Canistrelli à la farine de châtaignes

Kastanienmehl gibt es in Biomärkten oder Reformhäusern.

Zutaten für ca. 30 Kekse
200 g Kastanienmehl
300 g Weizenmehl, Typ 405
150 g Zucker
3 Eier
150 ml geschmacksneutrales Öl
1 Päckchen Backpulver

Canistrelli: Zutaten

Zubereitung
Ofen auf 180 Grad Celsius vorheizen (Unter-/Oberhitze).

Alle Zutaten zu einem homogenen Teig verkneten. Den Teig auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche geben, mit einem Nudelholz zu einer ca. 1 cm dicken Platte ausrollen und mit einem scharfen Messer in Rechtecke schneiden.

Canistrelli: Teig

Die Rechtecke mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Backblech geben und ca. 15-20 Minuten backen.

Bei mir reichte die Teigmenge für 2 Bleche, die ich nacheinander gebacken habe. Bei meinem Backofen waren 15 Minuten Backzeit pro Blech ausreichend.

Die Kekse sind fertig, wenn sie leicht Farbe angenommen haben und die Oberfläche rissig aussieht.

Fertige Canistrelli

Kekse auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen. Aufbewahren lassen sie sich an besten in einer Blechdose.

Nikana backt Brot

Angefangen hat es mit dem Bier. Der Herr des Hauses braut Bier selbst und fürs Bier brauen braucht man jede Menge Getreide. Nach dem Auskochen bleibt ein Getreidebrei übrig, der sogenannte Treber. Diesen kann man den Schweinen verfüttern oder man kann ihn zum Brotbacken verwenden. Mangels Schweine entschied ich mich für letzteres und scheiterte gnadenlos. Ich entschied mich für simple Hefebrote nach dem Schema Teig kneten, eine Stunde gehen lassen, Brotlaib formen, weitere Stunde gehen lassen, backen. Das klappte nur so halb, die Brote waren zu trocken, schmeckten zu sehr nach Hefe und nach zwei Tagen konnte man mit den Resten einen Nagel in die Wand treiben.

treber
Links ist der Treber vom Kastanienbier zu sehen, rechts ein daraus gebackenes Kastanientreberbrot.

Mein Interesse war allerdings geweckt. Ich fror einen Teil des Trebers vom letzten Brautag ein und beschloss, mich erstmal mit dem Brotbacken im Allgemeinen zu beschäftigen. Dazu kaufte ich mir das Brotbackbuch Nr. 1 von Lutz Geißler, der mit seinem Plötzblog eines der größten Brotback-Blogs im deutschsprachigen Raum betreibt und der mir deshalb schon länger ein Begriff war. Seine Rezepte fand ich aber oft zu kompliziert, vor allem wegen der genauen Temperaturangaben bei der Gare. Zum Brot backen braucht man offenbar nicht nur ein gutes Zeitmanagement, sondern auch verschiedene Temperaturzonen in der Wohnung. Im Winter habe ich die zwar schon alleine dadurch, dass ich nicht alle Räume heize, aber die oft angegebenen 24 Grad habe ich nicht, zumindest nicht so punktgenau.

teigling
Mein erstes Sauerteigbrot, frisch aus dem Gärkorb.

Dennoch wollte ich mich daran versuchen. Die immer gleichen Aufbackbrötchen zum Frühstück am Wochenende konnte ich einfach nicht mehr sehen. Denn egal wo ich meine Brötchen kaufte, sie schmeckten immer relativ gleich. Bäcker, die wirklich noch selbst backen, gibt es zumindest in meiner näheren Umgebung nicht und weit fahren, um ein paar Brötchen fürs Frühstück zu kaufen, kann auch nicht das Wahre sein.

So war es klar, dass ich mir für den ersten ernsthaften Brotbackversuch Brötchen vorknöpfen würde, und zwar solche, bei denen man den Teig am Vorabend vorbereiten konnte und die man am nächsten Tag nur noch in den Ofen schieben musste. Auch nicht viel anders als Aufbackbrötchen, außer dass man etwas früher aufstehen oder später frühstücken muss, weil die Brötchen vor dem Backen erst noch etwas gehen müssen.

Meine ersten selbstgebacken Brötchen. Jetzt müssen sie nur noch so schmecken wie sie aussehen und duften.

Ein von Nikana (@nikanaaa) gepostetes Foto am

Der Versuch war ein voller Erfolg. Die Brötchen schmeckten wunderbar, waren fluffig, aromatisch und schmeckten auch am nächsten Tag noch richtig gut, obwohl ich sie mangels Brotbox offen auf einem Teller liegen ließ, was natürlich alles andere als optimal ist.

Mittlerweile habe ich einen Brottopf aus Ton und schon ein paar Brote gebacken, meistens Hefebrote, weil die für Anfänger einfacher sind. Bisher schmeckten mir auch alle Brote, 100 % zufrieden war ich allerdings noch nie. Brot ist eine Wissenschaft für sich, die mit viel Übung und Fehler machen verbunden ist. Aber ich habe viel Spaß am Üben. In meiner Vorratskammer stehen mittlerweile mehr Mehlsorten, als ich vor 3 Wochen überhaupt kannte und ich entwickle mich zur Stammkundin der Dorfmühle, in der man so gut wie alles kriegt. Früher habe ich dort nur Gemüse oder einige Biowaren gekauft, jetzt karre ich auch säckeweise Mehl nach Hause.

mehlsorten
Mehlauswahl in der Speisekammer

Meine Brotbackversuche dokumentiere ich auf Instagram, eine Vorgehensweise, die mir auch noch einige Tipps einbringt. So hat zum Beispiel ein erfahrener Brotbäcker gesehen, dass ich meinen Teig nicht ausreichend schlage/ausstoße und mir gleich entsprechende Tipps zukommen lassen. So ein direktes Feedback ist für mich sehr lehrreich und ein Grund mehr, Social Media zu lieben.

Am Treberbrot werde ich mich demnächst wieder versuchen und berichten. Der Kastanientreber ist durch die leichte Süße eine wunderbare Grundlage für ein leckeres Brot. Mittlerweile ist auch das „Dashinger Keschdebier“ so gut wie fertig und wird in kleinen Mengen ebenfalls in das Brot wandern. Den Rest trinken wir dazu.