Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher im Oktober

Seth Grahame-Smith und Jane Austen – Pride and Prejudice and Zombies

Die Idee dahinter ist großartig: Einen Klassiker der Weltliteratur mit Fantasy-Elementen würzen und somit etwas ganz neues kreieren. Die Umsetzung allerdings hat mir nicht so ganz behagt, was in erster Linie daran lag, dass der originale Stil Jane Austens verwendet wurde. Ich hatte auf eine Modernisierung gehofft, stattdessen wurden in Austens Original einfach einige Szenen umgeschrieben.

Das ist zwar an sich nichts schlimmes, aber das Buch ist für mich kein gutes Bahnbuch, weil der Stil ziemlich ermüdend ist. Deshalb habe ich das Buch abgebrochen und werde es wohl nach und nach an Sonntagen zu Ende lesen.

Erik Axl Sund – Narbenkind

Sehr starke Fortsetzung von Krähenmädchen, die gehörig alles über den Haufen geworfen hat, was ich zu wissen glaubte. Neue Wendungen, neue Erkenntnisse und maximale Verwirrung. Ich kann es kaum erwarten, endlich die Fortsetzung zu lesen, die in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten liegen wird.

George R. R. Martin – A Dance With Dragons (Game of Thrones 5)

Zu den Büchern von George R. R. Martin habe ich ein sehr seltsames Verhältnis. Ich mag die Geschichten sehr, aber mit seinem Stil kann ich meistens nicht so viel anfangen. Es kommt bei mir darauf an, welcher seiner vielen Protagonisten gerade die Hauptrolle spielt. Oft finde ich die Kapitel furchtbar langweilig, meistens sind sie mir zu aufgebläht. Manche Kapitel fesseln mich aber auch dermaßen, dass ich dann doch weiterlesen möchte.

Am Stück habe ich allerdings noch kein Game-of-Thrones-Buch geschafft, ich lese die immer mit Unterbrechungen. Diesmal bin ich bis zu Seite 222 gekommen, bevor ich wieder zu genervt war. Weiterlesen werde ich das Buch wahrscheinlich im Weihnachtsurlaub.

Gillian Flynn – Gone Girl

Gone Girl war für mich die Überraschung des Monats. Im ersten Drittel der Geschichte dachte ich noch: “Ganz gut, aber das soll ein Thriller sein?” Im zweiten Drittel des Buches erfuhr ich, warum das Buch als Thriller verkauft wird. Zwar ist es immer noch kein Thriller im klassischen Sinne, aber doch deutlich spannender und düsterer. Ich mag es, wie sich die Geschichte entwickelt und geradezu vor Bosheit trieft. Das letzte Drittel fand ich wieder nicht ganz so prickelnd, die Entwicklung war recht realistisch.

John Scalzi – Agent der Sterne

Ein ziemlich beklopptes Buch, wenn auch nicht ganz so abgedreht, wie ich es erwartet hatte. Eine nette Lektüre, die mich gut unterhalten hat. Von Scalzi werde ich vermutlich noch mehr lesen, zum Glück steht hier bereits einiges im Regal.

Bücher im September

Andreas Eschbach – Todesengel

Ich mag die Bücher von Andreas Eschbach sehr. Weil ich weiß, dass ich mit seinen Büchern nichts falsch machen kann, lasse ich mir mit der Lektüre der einzelnen Romane Zeit, so dass es immer noch ein paar Eschbach-Romane gibt, die ich noch nicht gelesen habe.

Todesengel behandelt ein interessantes Thema, nämlich sinnlose Gewalt, die von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ausgeht. Das Buch ist jetzt nicht so extrem spannend, aber trotzdem sehr fesselnd.

Wer der Todesengel ist, ist relativ schnell klar. Aber das macht nichts, denn es ist viel spannender zu beobachten, wie sich alle anderen Figuren verhalten. Was sie denken und machen. Wie sie dort hin gekommen sind, wo sie jetzt sind. Am Interessantesten fand ich die Übersetzerin Victoria, die ich erst gar nicht einordnen konnte. Gar nicht mochte ich die Entwicklung des Journalisten, aus dessen Sicht am häufigsten erzählt wurde. Realistisch war sie aber auf jeden Fall.

Stefan Zweig – Schachnovelle

Die Schachnovelle lesen die meisten vermutlich bereits als Jugendliche, das Buch dürfte die Standard-Schullektüre sein. Bei uns wurde die Schachnovelle nicht in der Schule durchgenommen, wofür ich recht dankbar war. Die meisten Schullektüren habe ich nämlich in schlechter Erinnerung, als Jugendliche machten mir solche Bücher einfach keinen Spaß. Inzwischen kann ich sie aber richtig genießen.

Pia Ziefle – Länger als sonst heißt nicht für immer

Das perfekte Straßenbahnbuch. Nicht, weil es simpel wäre, sondern weil die Inhalte in perfekte kleine Häppchen aufgeteilt sind. Kein Absatz zieht sich über eine ganze Seite. Man kann jederzeit problemlos kurz aufhören zu lesen, was bei der häufigen Umsteigerei während der Bauarbeiten in den Sommerferien ideal war. Finger zwischen die Seiten, raus aus der Bahn, rein in die nächste, weiterlesen.

Auch inhaltlich ist das Buch sehr empfehlenswert. Ganz besonders mag ich den recht knappen Stil. Die Autorin verwendet keinerlei überflüssige Wörter, alles sitzt. Dahinter steckt eine enorme Arbeit; es ist sehr viel einfacher, einen aufgeblasenen Roman voller Füllwörter und nichtssagenden Wendungen zu schreiben.

Ich mag die Geschichten, die Lebenswege der Protagonisten. Man ist mittendrin, lebt, liebt und leidet mit den Protagonisten. Ein wirklich schönes Buch, bei dem das etwas knappe Ende Raum für Interpretationen lässt.

Que Du Luu – Totalschaden

Dieses Buch stand ewig ungelesen im Regal, weil ich kurz nach dem Kauf keine Lust mehr auf das Buch hatte. So geht es mir ganz oft mit Büchern: Ich entdecke etwas, will es unbedingt sofort haben und dann liegt es jahrelang rum, bis ich tatsächlich Lust auf die Lektüre habe. Das hat den Vorteil, dass ich immer jede Menge ungelesene Bücher im Regal habe und auch mal sonntags spontan etwas ganz neues anfangen kann.

Jetzt aber zum Buch: Totalschaden ein schönes Büchlein mit einer interessanten Geschichte, die gut erzählt ist. Ein Buch, das man locker an einem gemütlichen Sonntagnachmittag verputzen kann. Allerdings finde ich das Ende nicht so gut gelungen, der Schlusssatz wirkt so, als ob noch etwas nachkommen würde. Hätte die Autorin auf den letzten Absatz verzichtet, wäre das Ende perfekt gewesen. Ich vergesse jetzt einfach, dass ich diesen letzten Absatz gelesen habe, dann passt es.

Erik Axl Sund – Krähenmädchen

“Dieser schwedische Thriller ist eine literarische Sensation”, so steht auf der Innenseite des Buchumschlages. Dem kann ich jetzt nicht zustimmen, dennoch finde ich den Thriller recht gut. Nicht übermäßig spannend, aber wahnsinnig düster. Das Autorenduo geht schonungslos an das sensible Thema Pädophilie heran und beschreibt relativ nüchtern ziemlich brutale Szenen. Das Buch erinnert mich ein bisschen an den Todesengel von Eschbach, den ich am Anfang des Monats gelesen habe, denn die Thematik ist ähnlich. Auch hier geht es darum, weshalb Menschen zu Verbrechern werden; im Fall von Krähenmädchen kann man sogar von Monster sprechen. Es geht um verlorene Kindheit, Traumata und deren Folgen.

Gegen Ende wird das Buch spannender. Ein erstes Rätsel löste sich in etwa so auf, wie ich es vermutet hatte; wahrscheinlich habe ich einfach schon zu viele Bücher dieser Art gelesen. Nachdem meine Vermutung bestätigt wurde, fand ich das Buch viel interessanter, denn ab dem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr so richtig ahnen, wohin es sich entwickeln wird. Deshalb freue ich mich jetzt auch auf den zweiten Band, den ich mir recht bald besorgen werde. Das Ende war nämlich extrem offen und ziemlich gemein, ein Cliffhanger, dem ich nicht widerstehen kann.

Haruki Murakami – Die unheimliche Bibliothek

Ein sehr seltsames Büchlein, das ich innerhalb von 30 Minuten ausgelesen hatte. Die Geschichte habe ich nicht wirklich verstanden, ich habe keine Ahnung, worauf der Autor hinaus wollte. Aber im Grunde ist es egal, ich habe mich durch den tollen Schreibstil, die fantasievollen Figuren und die schönen Bilder gut unterhalten gefühlt.

Astrid Lindgren – Die Brüder Löwenherz

Ein Klassiker aus der Kindheit, den ich allerdings bisher nur aus dem Fernsehen kannte und an den ich mich nur bruchstückenhaft erinnerte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich einfach nicht alle Folgen gesehen hatte oder ob es zu lange her ist, auf jeden Fall wollte ich mein Gedächtnis auffrischen.

Die Geschichte ist etwas düster, aber wirklich schön und fantasiereich. Allerdings ist mir der typische Lindgren-Stil für dieses Buch doch ein bisschen zu kindlich, auch wenn ich den eigentlich mag.

Stefan Nink – Freitags in der Faulen Kobra

Sehr kurzweilige Lektüre, wie auch der erste Teil. Zwar habe ich nicht ganz verstanden, weshalb sich alle so mehr oder weniger bereitwillig auf dieses neue Abenteuer eingelassen haben, aber im Grunde ist das auch egal. Hauptsache, es macht Spaß. Von Stefan Nink würde ich gerne noch mehr lesen.

Bücher im August

Nikon – D7100 Benutzerhandbuch

Wahrscheinlich gibt es nicht viele Menschen, die in der Bahn ein Benutzerhandbuch von vorne bis hinten lesen. Ich kann sowas. Die D7100 ist wesentlich komplexer als meine alte Kamera, deshalb wollte ich mir einen guten Überblick verschaffen. Außerdem konnte ich in den Sommerferien in der Bahn nicht so gut lesen, da meine Bahn aufgrund von Bauarbeiten nicht die übliche Strecke fuhr und ich einmal mehr umsteigen musste. Dadurch saß ich maximal 12 Minuten in einer Bahn, bevor ich umsteigen musste – da geht jeder Lesefluss verloren. Meine eigentliche Lektüre, nämlich „Vor dem Fest“ von Saša Stanišić, musste ich deshalb auch abbrechen. Es war mir absolut unmöglich, mich auf dieses Buch zu konzentrieren.

Arno Strobel – Der Trakt

Auch dieses Buch habe ich nach wenigen Seiten abgebrochen, aber nicht, weil es mir nicht gefallen hätte, sondern weil ich es schon mal gelesen habe. Schon als ich anfing zu lesen war ich mir diesbezüglich sehr unsicher, aber so richtig erinnern konnte ich mich nicht. Zum Glück hatte ich aber damals in der Büchereule eine Mini-Rezension zu diesem Buch geschrieben, die ich dann auch fand. Dieses Erlebnis hat mich darin bestärkt, die Rubrik „Bücher im …“ in diesem Blog fortzuführen, denn so etwas kommt bei meinem Sieb-Gedächtnis durchaus öfter vor.

Karen Rose – Des Todes liebste Beute

Die Kurzbeschreibung hat so gut geklungen, aber leider war das auch der beste Teil des Buches. Ich hatte einen knallharten Thriller erwartet, erhalten habe ich jedoch typische Chick-Lit im Thrillergewand. Dieses Genre lese ich zwar manchmal ganz gerne, aber nur, wenn ich dazu in der Stimmung bin und es mir bewusst aussuche. Zudem war mir das Buch alles in allem zu flach. Nach der gefühlt hundertsten Beteuerung auf 50 Seiten, welche schönen Augen und breite Schultern der Held doch hätte, war ich nahe dran, das Buch ebenfalls abzubrechen. Gelesen habe ich es dann aber doch, weil es für das Bahnchaos ganz gut geeignet war. Bei dem Buch war es nicht schlimm, wenn ich beim Umsteigen rausgerissen wurde. Und besser als die ganze Zeit gelangweilt aus dem Fenster zu starren war es dann doch.

Markus Wäger – Kreativ fotografieren mit Nikon D7100

Noch ein Sachbuch zur D7100, das ich mir zur Ergänzung des Handbuchs gekauft hatte. Der Autor beschreibt in erster Linie, wie er beim Fotografieren vorgeht, was für ihn wichtig ist und erläutert auch die Technik sehr anschaulich. Ein gutes Buch für alle, die gerne mehr aus ihrer Kamera herausholen möchten.

Charlotte Thomas – Die Madonna von Murano

Meine Urlaubslektüre entführte mich dieses Mal in den Urlaub vom letzten Jahr, nämlich nach Venedig. Die Geschichte ist gut geschrieben, wenn auch teilweise etwas langatmig. Aber für den Urlaub passte das richtig gut, die langen Bahnfahrten durch Frankreich wirkten dank dieses Buches deutlich kürzer. Die Autorin hat noch mehr historische Romane geschrieben, die ebenfalls in Venedig spielen. Die werde ich mir wahrscheinlich auch irgendwann besorgen, vielleicht im nächsten Urlaub.

Bücher im Juni

Joe Abercrombie – Kriegsklingen

Das Buch wurde mir öfters ans Herz gelegt, aber leider musste ich feststellen, dass es für mich nicht das Richtige ist. Ich fand es etwas zu träge von der Handlung her und auch der Stil konnte mich nicht fesseln. Da ich absolut nicht voran kam, habe ich es zur Seite gelegt. Allerdings an einer Stelle, an der ich jederzeit wieder problemlos einsteigen kann, wenn es mir danach ist.

Jörg Maurer – Unterholz

Ich habe eine Macke: Wenn ich in Urlaub fahre, besorge ich mir einen Roman, der in der jeweiligen Region spielt und lese ihn vorher, im Urlaub oder auch danach. Die Romane um den Wildschütz Kommissar Jennerwein mag ich eh, also war klar, zu welchem Buch ich greifen würde.

Unterholz bietet die von Jörg Maurer gewohnte lockere Unterhaltung. Ich mag den feinen Humor des Autors sehr. Die ganzen Figuren im Buch habe ich ohnehin schon vor langer Zeit ins Herz geschlossen. Jedes Mal kriege ich wieder das Gefühl, dass es all die Leute wirklich gibt. Dieses Gefühl wurde am Urlaubsort verstärkt: die Romane von Jörg Maurer spielen in Garmisch-Partenkirchen, allerdings nennt er den Namen nie, sondern schreibt immer nur „der Kurort“. Trotzdem ist klar, wo die Bücher spielen und als ich im Kurort angekommen war, wurde ich überall mit den Namen aus den Büchern konfrontiert. Vor allem Ostler und Grasegger scheinen dort weit verbreitete Namen zu sein. Mir gefällt es, dass der Autor Namen gewählt hat, die in der Region tatsächlich üblich sind.

Das Buch ist das fünfte Buch der Reihe. Das sechste fehlt mir noch, das werde ich allerdings erst kaufen, wenn es als Taschenbuch verfügbar ist, damit es zu meiner Sammlung passt.

Astrid Lindgren – Ronja Räubertochter

Angefangen hat es auf Twitter. Durch einen Tweet wurde ich wieder auf dieses Buch aufmerksam und bekam Lust, es wieder zu lesen. Ich durchschaute mehrmals mein Regal und musste dann entsetzt feststellen, dass ich es gar nicht besitze, sondern als Kind nur ausgeliehen hatte. Diesen Missstand korrigierte ich mit einer schnellen Bestellung.

Ronja ist zauberhaft. Ich liebe es, wie sehr sie den Wald liebt und sich dort heimisch fühlt, dadurch fühle ich mich sehr mit ihr verbunden. Ich habe jede Sekunde genossen und mich gefreut, dass meine Erinnerung aufgefrischt wurde. Ich hatte zum Beispiel die gruseligen Wilddruden total vergessen, die mir als Kind im Film so eine Heidenangst einjagten. Brrr.

Meine allerliebste Geschichte von Astrid Lindgren wird allerdings immer „Im Land der Dämmerung“ bleiben, eine Geschichte, die wir in der Grundschule gelesen hatten und die mich nachhaltig beeindruckte.

Enzo Fileno Carabba – Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten

Dieses Buch habe ich in erster Linie wegen des Titels gekauft und wunderte mich dann durch das Buch hindurch, was der Titel denn mit dem Buch zu tun haben soll. Es ist ja oft so, dass der Titel so viel Aufmerksamkeit wie möglich erregen soll und total am Inhalt des Buches vorbeigeht. Hier ist das allerdings nicht der Fall, nur kommt die Auflösung recht spät.

Das Buch ist sehr skurril und der Humor ist rabenschwarz. So richtig sympathisch waren mir sämtliche Charaktere nie, trotzdem fand ich das Buch lesenswert und unterhaltsam.

Tim Sohr – Woanders is‘ auch scheiße

Noch so ein Titelkauf. Hinten stand was von 90er drauf, von Jugend, Fußball und Metallica: Gekauft. Eine Jugend in den 90ern ist meine Jugend und ich hoffte auf ein Erinnerungsfeuerwerk.

Meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht, auch wenn Fußball deutlich mit Vordergrund stand und ich damit nicht gerechnet hatte. Trotzdem, es passt alles. Der Protagonist war mir nicht so extrem sympathisch, dazu war er zu eingebildet, aber ich mochte die Erzählung. Der Stil des Autors ist genau meins.

Meir Shalev – Meine russische Großmutter und ihr amerikanischer Staubsauger

Falls es noch nicht aufgefallen ist: Ich habe eine Schwäche für seltsame Buchtitel. Dieses Buch stand allerdings einige Jahre ungelesen in meinem Regal bis ich mich seiner endlich annahm.

Obwohl der Autor durchaus schreiben kann, hat mir das Buch nicht besonders gefallen. Die vielen Geschichten aus dem Leben der Großmutter des Autors sind zu zusammengewürfelt und unstrukturiert. Zu oft deutet der Autor etwas an, um dann zu schreiben, dass er diese Geschichte später erzählen würde. Oder gar nicht. Oder man kann sie in einem seiner anderen Bücher nachlesen. Mir wurde das irgendwann zu bunt, deshalb habe ich nur noch quergelesen, einige interessante Stellen herausgepickt und das Buch dann wieder ins Regal gestellt.

Bücher im Mai

Seit ich pendle, lese ich wieder viel mehr. Ein guter Grund, die sträflich vernachlässigte Kategorie Bücher zu entstauben und ein bisschen über Bücher zu plaudern.

Daniela Schreiter – Schattenspringer

Eigentlich bin ich keine Comic-Leserin. Asterix mag ich, Lucky Luke auch und als Teenager habe ich über Clever & Smart Tränen gelacht, aber mit den meisten Comic-Büchern oder Graphic Novels kann ich nicht so viel anfangen. Schattenspringer habe ich mir in erster Linie deshalb gekauft, weil ich der Autorin seit einiger Zeit auf Twitter folge und ihre Zeichnungen mag. Außerdem interessiere ich mich für Autismus, seit ich vor rund 10 Jahren „Buntschatten und Fledermäuse“ von Axel Brauns gelesen habe.

Schattenspringer erklärt recht gut, wie sich Daniela mit ihrem Autismus fühlt, warum sie kein Rain Man ist und generell warum Rain Man ein ganz schlechtes Beispiel für den Autismus ist. Ich mag die Definition “Autisten sind Aliens” und kann das alles ein klitzekleines bisschen nachvollziehen, weil ich mit meiner Schwerhörigkeit lange Zeit auch in einer sehr eigenen Welt lebte. Ich will natürlich nicht behaupten, dass ich weiß, wie man sich mit Autismus fühlt; aber ich weiß, was es bedeutet, anders zu sein.

Schattenspringer ist so liebevoll gezeichnet und gut erzählt, dass ich mir vorgenommen habe, künftig Comics und Graphic Novels nicht mehr standardmäßig zu ignorieren. Wer weiß, welche Perlen es in diesem Bereich noch gibt.

Website der Autorin: http://www.fuchskind.de/
Ausführliche Leseprobe: http://www.fuchskind.de/galerie/schattenspringer/aspie.php

Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Mein erster Murakami. Um genau zu sein: der erste, den ich vollständig gelesen habe. Vor Jahren habe ich mich an „Kafka am Strand“ versucht, habe aber nach nur wenigen Seiten wieder aufgehört, weil ich nicht in der Stimmung für dieses Buch war. Jetzt also Naokos Lächeln. Ich mochte den Stil sehr und war beeindruckt von der Übersetzung. Die Geschichte war einerseits ruhig, andererseits aber auch sehr aufwühlend. Ein ernstes und trauriges Thema, vorgetragen in einem komplett unaufgeregten Stil. Empfehlenswert.

Oliver Pötzsch – Die Burg der Könige

Ich gestehe: Ich habe das Buch nur gekauft, weil es in meiner Heimat spielt. Wie könnte ich auch einer Geschichte widerstehen, die auf dem Trifels angesiedelt ist? Vom Inhalt war ich positiv überrascht. Eine gut erzählte Geschichte, die zur Zeit der Bauernkriege spielt und gut recherchiert ist. Empfehlenswert für alle, die historische Romane mögen und nicht vor dicken Wälzern zurückschrecken. Auch wenn im Verlauf des Buches die Ramburg zerstört wird. Tz.

Straßenbahngeeignet ist das Buch allerdings nur bedingt, mit seinen 944 Seiten nimmt es in der Tasche arg viel Platz weg.

Website des Autors mit Leseprobe: http://www.oliver-poetzsch.de/home/index.php/die-burg-der-koenige

Alan Bradley – Mord im Gurkenbeet

Ein bisschen hat sie mich ja genervt, die neunmalkluge Flavia de Luce. Viel zu reif für ihr Alter und viel zu naseweis. Der Humor hat mir zwar gefallen, aber ich glaube nicht, dass ich die Serie weiterlesen werde.

Wiebke Lorenz – Alles muss versteckt sein

Ein beeindruckender Roman. Auf dem Cover steht zwar Thriller, aber meiner Meinung nach ist das eher eine Erzählung, wenn auch eine spannende. Ich mag gar nicht viel über das Buch schreiben, weil ich glaube, dass es am besten funktioniert, wenn man vorher kaum etwas von der Handlung weiß. Die Beschreibung der Zwangsgedanken und der entsprechenden Konsequenzen fand ich gut recherchiert und schlüssig. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass es drei verschiedene Erzählperspektiven gibt und die Wechsel zwischen den Perspektiven flüssig und logisch sind.

Website der Autorin: http://www.wiebke-lorenz.de/

Sitzen vier Polen im Auto

Nein, das ist nicht der Anfang eines flachen Polenwitzes, sondern der Titel eines wunderschönen Buches von Alexandra Tobor. Ich hätte mir das Buch nie gekauft, hätten es nicht von mir sehr geschätzte Blogger in höchsten Tönen gelobt. Doch so wurde ich irgendwann so neugierig, dass ich mir mitten in der Nacht die Kindle-Leseprobe besorgte, diese gierig verschlang und mir im Anschluss sofort das Buch kaufte, weil ich nicht aufhören konnte zu lesen.

Das Buch erinnert mich an meine Kindheit. Zwar bin ich in Deutschland aufgewachsen, aber Ende 80, Anfang 90 wurden auch bei uns im Dorf Migranten aus Osteuropa untergebracht. Woher die alle kamen, weiß ich gar nicht mehr so genau; aber ich erinnere mich noch zu gut an Martin aus Polen.

Martin sprach kein Wort Deutsch, als er zum ersten Mal bei uns im Klassenzimmer stand. Obwohl er ein Jahr älter war als wir, wurde er in meiner Klasse untergebracht. Während der meisten Schulstunden war er damit beschäftigt, hektisch in seinem Deutsch-Polnisch-Wörterbuch zu blättern, aber in Mathe brauchte er das trotz der Sprachbarriere nicht. Er steckte uns alle locker in die Tasche und langweilte sich während der Unterrichtsstunden fürchterlich, weil das alles für ihn nichts Neues war. Er lernte Deutsch in einem Tempo, das mich zutiefst faszinierte. Schon bald konnten wir uns unterhalten, während wir auf den Bus warteten.

Nach den Sommerferien trennten sich unsere Wege. Martin ging für ein Jahr nach Köln, in ein Internat, in dem er besser gefördert wurde und speziellen Deutschunterricht erhielt. Als er ein Jahr später wieder zurück kam, meldet er sich in einer anderen Schule an. Wir sahen uns nur noch sehr selten, und als ich nach Karlsruhe zog, verloren wir uns ganz aus den Augen.

Trotz Martin war mir nie bewusst, wie sich die Migrantenkinder fühlten, als sie nach Deutschland kamen. In meinem Heimatdorf gingen Migrantenfamilien eine Weile ein und aus, blieben oft nur wenige Tage, manchmal aber auch ein ganzes Jahr. Mit einigen spielte ich manchmal, weil mir die Kommunikationsbarriere nicht viel ausmachte. Im Gegenteil, ich hatte durch meine Schwerhörigkeit selbst mit riesigen Kommunikationsproblemen zu kämpfen und zog die Kommunikation mit Händen und Füßen vor. Dennoch vergaß ich die meisten Kinder recht schnell, wenn sie wieder wegzogen, denn echte Freundschaften bildeten sich nie.

Alexandra Tobor erinnert mich auf unterhaltsame und kluge Weise an diese Zeit. Sie erzählt von den Problemen, denen sich Flüchtlingsfamilien stellen mussten, und setzt dabei auf einen sehr feinsinnigen Humor. Sie ermöglicht dem Leser einen Einblick, wie sich die Einwanderer fühlten, welchen Problemen sie sich stellen mussten und wie sie diese meisterten. Mir gefällt es, wie sie mit dem Thema umgeht. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Das Labyrinth der Träumenden Bücher

Vorab: Dieser Text könnte den Spaß am Buch verderben. Wer das Buch völlig unvoreingenommen lesen möchte, sollte hier ab dem nächsten Absatz nicht mehr weiterlesen.

Walter Moers Bücher üben eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Er gehört zu den wenigen Autoren, deren Bücher ich quasi blind kaufe. Ohne den Klappentext zu lesen, ohne Leseprobe, ohne anlesen in der Buchhandlung. Mir ist es egal, ob seine Bücher in Zamonien spielen oder ob er uns die Geschichte eines Monarchen mit Sprachfehler erzählt. Denn erzählen kann Walter Moers richtig gut.

Leider tut er das im Labyrinth der Träumenden Bücher im Überfluss. Er beschreibt alles bis ins kleinste Detail, geht mir mit unzähligen Abschweifungen auf die Nerven und redet ewig um den heißen Brei herum. Er schwafelt. Sicher, genau das tut er in all seinen Büchern, das gehört zu seinem einzigartigen Stil. Aber im Labyrinth macht er fast nichts anderes, und das fand ich stellenweise dermaßen langweilig, dass ich das Buch längst weggelegt hätte, würde es sich um ein Werk eines mir unbekannten Autoren handeln. Bei Walter Moers dagegen weiß ich, dass es sich lohnt, durchzuhalten, dass es irgendwann spannend wird. Allerdings nehme ich es ihm trotz seiner niedlichen Entschuldigung im Nachwort übel, dass erst auf den letzten 30 Seiten richtige Spannung aufkommt. Das Labyrinth der Träumenden Bücher ist ein Brückenbuch, ein 427 Seiten langer Cliffhanger, der auf den nächsten Band vorbereiten soll.

Laut Nachwort war es so nicht geplant, er hatte die Arbeit am Buch unterschätzt und musste es aufteilen, weil der Verlag mit einer Verschiebung nicht glücklich gewesen wäre, aber mal ehrlich: War das ganze Geschwafel wirklich notwendig? Ein sehr großer Teil des Buches geht für einen Rückblick drauf, die Stadt der Träumenden Bücher wird quasi nacherzählt. Ein anderer Teil beleuchtet den in diesem Band neu eingeführten Puppetismus bis ins kleinste Detail. Der Puppetismus scheint zwar eine große Rolle zu spielen, aber die ganzen Abhandlungen dazu fand ich noch langweiliger als den Rückblick. In dem Buch passiert quasi nichts, und das ist enttäuschend. Trotz der wie immer grandiosen Zeichnungen, trotz des unvergleichlichen moersschen Wortwitzes. Immerhin versteht er es perfekt, auf den letzten Seiten das Verlangen nach einem Nachfolger zu wecken. Ich hoffe, dass dieser hilft zu verstehen, weshalb der Cliffhanger so ausführlich sein musste. Denn im Moment sehe ich den Sinn nicht und fühle mich hingehalten. Herr Moers, ich hoffe auf eine angemessene Entschädigung im nächsten Band. Und ganz viele Buchlinge!

Bücher Bücher Bücher!

Das Wochenende ist da, das Wetter ist nicht besonders vielversprechend und du weißt noch nicht, was du lesen sollst? Fünf Bücher hilft: Verschiedene Leute stellen ihre fünf Lieblingsbücher vor. Und tun das teilweise auf so eine anregende Weise, dass mein Warenkorb bei Amazon beängstigend wächst. Dank der Seite habe ich mir auch endlich The Ultimate Hitchhiker’s Guide to the Galaxy auf den Kindle geladen, obwohl ich die Übersetzung schon mehrmals gelesen habe. Aber von manchen Büchern kann man einfach nicht genug bekommen. Von Websites übrigens auch nicht. Fünf Bücher ist eine der tollsten Blogideen der letzten Jahre.