Archiv der Kategorie: Bücher

Das Hörbuch-Experiment

In Sachen Sprachverständnis scheine ich keine spürbaren Fortschritte zu machen, deshalb werde ich jetzt zum Angriff übergehen und versuchen, ein Hörbuch zu verstehen. Ich habe mich für ein Buch entschieden, das ich nicht schon in Papierform im Regal stehen habe, damit ich auch wirklich ins kalte Wasser geworfen werde. Gelesen wird das Buch von Jan Josef Liefers, dessen Stimme eigentlich passen sollte. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Ich werde berichten!

Bei dem Buch handelt es sich übrigens um „Dr. Siri und seine Toten“ von Colin Cotterill.

Buchstock

Ein Stöckchen von Martin.

Die Regeln:
1. Pick up the nearest book (of at least 123 pages).
2. Open the book to page 123.
3. Find the fifth sentence.
4. Post the next ten sentences.
5. Tag another person.

Neben mir liegt gerade das Buch „Power Wörterbuch Französisch“ von Langenscheidt. Man möge mir verzeihen, dass ich lieber zum übernächsten Buch greife. Dort finde ich auf Seite 123:

In einer Studie wurden japanische Probanden darauf trainiert, den Unterschied zwischen r und l zu hören (was japanischen Englischschülern schwerfällt). Vor und nach dem Umlernen ließ man die Teilnehmer eine Reihe von Tests machen, um ihre Wahrnehmung akustischer Reize zu bewerten. Am Ende der zehnwöchigen Trainingsphase konnten die Probanden die beiden Laute um durchschnittlich 18 Prozent besser erkennen (d.h. ein Teilnehmer, der vor dem Training die Unterschide zwischen „l“ und „r“ in 60 Prozent der Fälle erkennen konnte, war nach dem Training in 78 Prozent der Fälle dazu imstande).
Iversons Folgerung aus diesen Studien macht erwachsenen Sprachschülern Hoffnung: „Lernen im Erwachsenenalter scheint nicht schwierig zu werden, weil sich die neuronale Plastizität verändert … das Lernen wird mühsam, weil Erfahrungen mit unserer Erstsprache die Wahrnehmung ‚verzerrt‘. Wir sehen alles durch die Brille unserer Muttersprache und das verzerrt die Art, wie wir Fremsprachen sehen … unsere Wahrnehmung verändert sich im Laufe der Kindheit und spezialisiert sich darauf, die Sprachlaute in unserer Erstsprache zu hören. Diese Spezialisierung kann die Fähigkeit, zwischen Lauten in anderen Sprachen zu unterscheiden, beeinträchtigen. Durch Umlernen können wir unsere ‚Wahrnehmungsverzerrung‘ grundlegend ändern und so das Lernen einer zweiten Sprache erleichtern.“
Andere Studien deuten auf eine mögliche Ursache der zusätzlichen Schwierigkeiten hin, die Erwachsene im Gegensatz zu Kindern beim Erlernen einer neuen Sprache haben. Eine 1997 von den Neurowissenschaftlern Joy Hirsch und Karl Kim durchgeführte Studie fand heraus, dass Zweitsprachen, je nachdem, wann sie gelernt wurden, anders im menschlichen Gehirn gespeichert sind.
Hirsch stellt eine Gruppe von 12 zweisprachigen Probanden zusammen (die zehn verschiedene Sprachen repräsentieren).

Zitat aus: Daniel Tammet – Wolkenspringer

Ich habe das Buch übrigens noch nicht gelesen, bin aber schon sehr gespannt darauf. Vielleicht hilft es mir ja beim Französischlernen.

Dorfkinder

Nele und Paul sind auf dem Land aufgewachsen, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Köln. Irgendwann will Nele die Welt erobern und lässt Paul alleine im Dorf zurück. Jahre später taucht sie urplötzlich wieder auf, und alles ist wie früher – fast alles.

Michel Birbæks neustes Buch verstärkte eine Sehnsucht, die schon länger in mir wächst: Die Sehnsucht, wieder auf dem Land zu leben. Es gibt Szenen im Buch, da konnte ich nur noch zustimmend nicken. Zum Beispiel als Paul frühmorgens mit einer Tasse Kaffee aus dem Haus geht, sich in die Natur stellt, beobachtet, wie der Morgen erwacht und sich fragt, ob das wohl auch in der Stadt ginge. Nein, geht es nicht! Wenn es hier jemand tun sollte, wird er vermutlich für verrückt erklärt. Abgesehen davon gibt es hier nichts, was man morgens genießen könnte – zumindest nicht an einer normalbefahrenen Straße.

Die Liebesgeschichte zwischen Nele und Paul ist wunderschön. Herrlich unkitschig, wie ich es von Michel Birbæk gewohnt bin, und trotzdem herzergreifend. Nur das Ende ging mir ein kleines bisschen zu schnell. Erst pläschterte der Roman sanft dahin, wie ein kleiner Wiesenbach, um sich schlagartig in einen reißenden Wasserfall zu verwandeln. Aber auch wenn das Ende dadurch ein bisschen unrealistisch wirkte: Das Lesevergnügen wurde nicht getrübt. Ich werde auch weiterhin jedes Buch kaufen, auf dem der Name Michel Birbæk prangt.

Nele & Paul | Michel Birbæk | ISBN 978-3785723500

Buchmesse

Andrea Diener hat in ihrem Blog zur Buchmesse einen schönen Artikel geschrieben, der genau beschreibt, weshalb ich mich nach längerem Überlegen entschieden habe, das Geld für die Bahnfahrt nach Frankfurt lieber in gute Bücher zu investieren. Außerdem kommt das schöne, fast vergessene Wort „fürderhin“ in diesem Artikel vor. Noch ein Grund, ihn zu mögen.

Lest selbst: Warum es nicht um Bücher geht

Bücher, mal wieder.

Bei Martina Kink gefunden und gleich mitgenommen.

Liest Du gerne?
Eigentlich wird es mir bei dieser Frage fast schon wieder zu blöd.

Wenn ja, welches Genre?
Kreuz und Quer. Sehr gerne Belletristik, im Herbst dürfen es auch Thriller sein. Für Kinderbücher bin ich nie zu alt, und Fantasy ist auch OK, vor allem, wenn Herr Moers die Feder führt. Historische Romane gibt es allerdings nur in Ausnahmefällen. Klassiker dagegen immer wieder gerne, allen voran die wunderbare Miss Austen.

Dein letztes Buch hieß wie?
Deutschland-Quiz von Eric T. Hansen. Ein Sachbuch, ausnahmsweise mal.

Würdest Du es weiterempfehlen?
Wenn du ein amüsantes Frage-Antwort-Spiel zu Deutschland lesen willst: Greif zu!

Warum hast Du Dir genau dieses Buch zugelegt?
Weil im Klappentext etwas von exotischer Heimat stand. Deutschland? Exotisch? Das wollte ich dann doch genauer wissen.

Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?
Ich merke mir nur die Titel guter Bücher, alles andere ist Speicherplatzverschwendung.

Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?
Uah. Ok, besudeln kann schon mal vorkommen, vor Besudelungen ist bei mir sowieso nichts und niemand sicher. Aber mutwillige Verziehrungen wie Eselsohren statt Lesezeichen? So ein Buch hat doch auch Gefühle!

Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?
Ich lege sie auf dem Boden und tanze fünfmal drumherum. Was sollte ich sonst tun?

Weitergeben
Herr Lohse würde jetzt wohl sagen: „Also in diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!“ (Pappa ante portas. Zwar kein Buch, aber trotzdem empfehlenswert.)

Wer will kann den Stock mitnehmen.

Wir warten aufs Christkind

Samstag
0:00 Uhr. Ich stehe auf dem Fest-Gelände, nuckle an meinem Bier und überlege ernsthaft, ob ich nicht noch um 1:01 Uhr zur Buchhandlung fahren soll, um mir meinen Harry Potter zu kaufen. Angesichts der Tatsache, dass ich um 10:00 Uhr Besuch kriegen würde, verwerfe ich die Idee wieder.

7:07 Uhr. Ich verfluche meinen Wecker und mich gleich dazu, weil ich ihn zwar eingeschaltet, aber die Uhrzeit nicht angepasst habe. Grummelnd schalte ich den Wecker aus, drehe mich um und schließe wieder die Augen.

7:17 Uhr. Ich setze mich ruckartig auf und bin fest davon überzeugt, verschlafen zu haben. Ein Blick auf den Wecker lässt mein Herz wieder etwas ruhiger schlagen. Schlafen kann ich jetzt aber nicht mehr. Ich schäle mich aus dem Bett und schalte die Kaffeemaschine ein.

7:18 Uhr. Keine Milch mehr da. Das fängt ja gut an.

8:00 Uhr. Alle Newsseiten sind abgesurft, wobei ich alle Texte zu Harry Potter sorgfältig gemieden habe. Wehe mir verrät jemand, wie das Buch ausgeht, bevor ich es selbst gelesen habe!

9:20 Uhr. Aufräumarbeiten abgeschlossen, Dusche beendet, Anrufbeantworter blinkt. Mein Besuch hat für heute abgesagt. Ich muss mich also alleine durch die Menschenmassen in der Buchhandlung kämpfen.

9:50 Uhr. Ich schwinge mich aufs Rad. Um 10 macht die Buchhandlung auf.

10:03 Uhr. Keine Schlange in der Buchhandlung, die Palette mit den geschätzten 100 Harry-Potter-Büchern ist verwaist. Tz. Ich verliere meinen Glauben an die Menschheit und schlendere betont cool in Richtung Ausgabeschalter. Muss ja nicht die einzige sein, die durchdreht.

10:04 Uhr. Die Verkäuferin nimmt meinen Harry Potter aus dem Regal. Ich setze immer noch ein betont cooles Gesicht auf und verkneife mir mit Gewalt sämtliche Jubelausbrüche. Ich will ja nicht in der Klapse landen, sondern das Buch lesen.

10:05 Uhr. Die Verkäuferin fragt mich, ob ich eine Harry-Potter-Tüte will. Und ob ich will! Leider sind die Tüten dieses mal nicht so schön wie vor 3 Jahren, aber es steht Harry Potter drauf. Grund genug.

10:06 Uhr. Ich verlasse die Buchhandlung und schwenke dabei meine orangefarbene Papiertüte. Ich habe ihn! Der coole Gesichtsausdruck geht in ein unkontrollierbares Grinsen über. Die wenigen Passanten, die um diese Uhrzeit schon unterwegs sind, lächeln mich mitleidig an.

10:07 Uhr. Ich überlege, mich gleich in das gemütliche Café zu setzen und loszulesen. Nur die Tatsache, dass ich unbedingt noch einkaufen muss, hält mich davon ab.

10:20 Uhr. Ich bin im Supermarkt und schmeiße wahllos irgendwelche Lebensmittel in den Korb. Hauptsache nicht verhungern. An der Kasse stelle ich fest, dass ich die Milch vergessen habe. Argh!

10:40 Uhr. Ich bin zuhause, lege meinen Harry Potter vorsichtig auf den Wohnzimmertisch und grinse ihn an. Erstmal einen Kaffee kochen, so lange kann ich jetzt auch noch warten. Die Widmung muss ich aber schon vorher lesen. Yeah! Die Autorin widmet das Buch mir!

10:41 Uhr. Ich stelle fest, dass das Cover unglaublich hässlich ist. Aber wenigstens riecht das Buch gut.

16:00 Uhr. Ich bin bei ungefähr Seite 200 und lege das Buch zur Seite, das Fest ruft. Es sieht nach Regen aus, aber ich bin mir sicher, es wird halten.

16:30 Uhr. Ich betrete das Festgelände. Es fängt an zu regnen.

16:40 Uhr. Ich stehe vor der Hauptbühne. An mir geht ein Mann vorbei, der ein selbstbedrucktes T-Shirt trägt. Auf dem T-Shirt steht eine Information zum Buch, die ich jetzt ganz sicher noch nicht wissen wollte. Ich entscheide mich, dass sie ein Fake sein muss und reiße mich mit aller Macht zusammen, um nicht das mitgebrachte Buch aus der Tasche zu ziehen und es dem Typen um die Ohren zu hauen. Jerk!

19:00 Uhr. Ich bin nass bis auf die Knochen, und gehe nach Hause, um meine Regenjacke zu wechseln. Dort hält mich aber erstmal die Couch gefangen. Ich lese die nächsten 40 Seiten, bevor ich mich wieder aufraffen kann, die Couch zu verlassen und mich wieder auf den Weg zum Fest zu machen.

Sonntag
1:00 Uhr. Ich verschwinde mit Harry im Bett. Nur noch ein Kapitel! Ich kann die Augen kaum noch offen halten, aber egal.

8:30 Uhr. Ich wache mit dem Gefühl auf, etwas wichtiges erledigen zu müssen. Mein Blick fällt auf das Buch, das neben mir liegt. Ich schlage es auf und lese weiter.

9:30 Uhr. Das Fest ruft. Ich packe das Buch ein, suche ein paar Sachen für das Frühstück zusammen und mache mich auf die Socken.

11:00 Uhr. Sonne, Fest, klassische Musik, Harry Potter … was will man mehr?

13:00 Uhr. Ein Sonnenbrand scheint sich von hinten anschleichen zu wollen. Buch einpacken, heim auf die Couch, weiterlesen.

16:00 Uhr. Ich sollte mal was essen.

17:00 Uhr. Das Fest ruft wieder, aber das Buch ist gerade so spannend. Egal, einpacken, gemütlichen Platz suchen, weiterlesen.

19:00 Uhr. Mist. An der spannendsten Stelle muss ich aufhören. Blödes Fest.

Montag
0:30 Uhr. Noch noch ein Kapitel. Mit halb geschlossenen Augen. Geht schon irgendwie.

11:30 Uhr. Verdammt, schon so spät?! Zum Glück habe ich Urlaub. Küche, Kaffee, Couch, Potter!

14:00 Uhr. Boah. Ich hätte nie gedacht, dass das passieren würde. Nie. Bei einem Potterband losflennen, obwohl es bisher genauso kam, wie ich es mir dachte. Wo sind die verdammten Taschentücher? (Für Insider: Seite 599. Sehr hollywood, ich weiß.)

14:20 Uhr. Fertig. Hm, den Epilog hätte sie sich sparen können.

14:30 Uhr. Ich realisiere gerade, dass ich wirklich FERTIG bin. Fertig! Keine Hysterie mehr, kein warten mehr, keine Angst mehr vor Typen in selbstgebastelten T-Shirts (dessen Aufschrift sich übrigens als wahr herausstellte, wenn auch nur für die besagte Seite), kein Internet-Boykott mehr. Fertig.

Bücherwelten

Mit meiner Kreativität ist es im Moment nicht weit her, deshalb habe ich bei Anke gewildert und einen sehr interessanten Fragebogen kurzerhand entführt.

Gebunden oder Taschenbuch?
Taschenbücher sind praktischer, gar keine Frage. Aber gebundene Bücher haben etwas besonders. Sie verströmen ein Gefühl von Luxus, weil ich mir gebundene Bücher nur sehr selten leiste. Die Blätter sind in der Regel etwas dicker, die Bücher haben meistens ein praktisches Lesebändchen und sie machen im Regal mehr her. Dennoch besitze ich überwiegend Taschenbücher, schon alleine deshalb, weil ich zum Preis eines gebundenen Buches 2 1/2 Taschenbücher bekomme. Nur wenn ich gar nicht warten kann, bis das Taschenbuch erscheint, oder wenn der Autor Walter Moers heißt, muss es unbedingt die gebundene Version sein.

Amazon oder Buchhandel?
Beides, und beides sehr gerne. Wenn ich genau weiß, was ich möchte oder wenn ich ein englischsprachiges Exemplar suche, ist Amazon meine erste Wahl. Im Buchhandel sind die Bücher meistens nicht vorrätig und bis ich sie dort bestellt habe, wurden sie auch von Amazon geliefert. Aber wenn ich in der Stadt bin, kann ich an keinem Buchladen vorbeigehen. Ich muss reingehen, stöbern, fast alle Bücher mindestens einmal in die Hand nehmen, reinlesen, Cover bewundern, den Geruch der Bücher und die Atmosphäre im Buchladen aufnehmen … Es macht unglaublich viel Spaß!

Lesezeichen oder Eselsohr?
Absichtliche Eselsohren sind Büchermisshandlung. Lesezeichen natürlich! Zur Not merke ich mir auch die Seite, wenn ich kein geeignetes Lesezeichen dabei habe. Aber das kommt selten vor, irgendeinen unnützen Zettel finde ich immer in der Geldbörse. Nur von Geldscheinen nehme ich inzwischen Abstand, nachdem ich vor vielen vielen Jahren in meinem jugendlichen Leichtsinn einmal 50 DM als Lesezeichen verwendet habe. Diese 50 DM habe ich von meiner Oma bekommen, das Geld wollte ich eigentlich in eine wunderschöne Winterjacke investieren. Dooferweise habe ich es aber erst ungefähr 3 Jahre später wieder gefunden …

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
Zurzeit eher ungeordnet. Sachbücher und Romane sind zwar getrennt, und meine Chick-Lit-Bücher habe ich auch an eine eher uneinsichtige Stelle verbannt, aber der Rest steht kreuz und quer im Regal. Allerdings bin ich damit nicht sonderlich zufrieden und werde wohl in meinem Urlaub das Regal auf den Kopf stellen.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Verschenken. Meistens aber behalten, ich kann mich nur sehr schwer von Büchern trennen. Deshalb habe ich während meiner Bookcrossing-Zeit auch nicht so viele Bücher freigelassen, wie ich ursprünglich wollte. Weggeworfen habe ich allerdings schon einige Überbleibsel meiner Teenagerzeit, nämlich ganz üble Nackenbeißer, die ich auf keinen Fall mehr sehen wollte. Jugendsünden eben.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Als Kind habe ich die meisten Schutzumschläge weggeworfen, was ich jetzt fürchterlich bereue. Vor allem bei meiner geliebten Anne-Reihe, die jetzt so traurig nackt aussieht. In den letzten Jahren habe ich nur noch einen Schutzumschlag absichtlich weggeworfen: Das Buch stammte aus der BILD-Reihe und der Umschlag war so abgrundtief hässlich, dass ich den auf keinen Fall im Regal haben wollte.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Ohne. Wenn ich mit Umschlag lese, spiele ich während des Lesens immer damit. Das nimmt er mir meistens übel.

Kurzgeschichten oder Roman?
Roman. Es gibt nur sehr wenige Kurzgeschichten, die mir wirklich gefallen.

Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Sammlung. Davon besitze ich sogar einige, jedoch keine einzige Anthologie.

Harry Potter oder Lemony Snicket?
Harry Potter. Eigentlich wollte ich Harry Potter ja gar nicht lesen, weil mir der Hype auf die Nerven ging, aber irgendwann erwischt es wohl jeden.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Aufhören, wenn man müde ist. Leider. Als ich noch jung war, konnte ich unmöglich mitten in einem Kapitel aufhören. Meistens habe ich nicht geruht, bis ich das ganze Buch verschlungen hatte. Aber inzwischen bin brauche ich meinen Schlaf. (Ich fühle mich gerade unglaublich alt …)

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Da ziehe ich das Märchen vor. Ersteres erinnert mich an meine dunkle Vergangenheit als Nackenbeißerleserin.

Kaufen oder Leihen?
Kaufen. Ich bin nicht dafür geeignet, Bücher auszuleihen, denn ich möchte Bücher nicht nach Verfügbarkeit, sondern nach Laune lesen. Alleine in den Wintermonaten habe ich von ungefähr 20 geliehenen Büchereibüchern nur ein einziges wirklich gelesen. Alle anderen habe ich ungelesen wieder zurückgebracht. Zum Glück verleiht die Bücherei auch DVDs, sonst würde sich die Mitgliedschaft für mich nicht lohnen.

Neu oder gebraucht?
Neu, wenn es noch verfügbar ist. Ansonsten auch gerne gebraucht.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Empfehlungen hole ich mir in diversen Foren. Außerdem stöbere ich sehr gerne, und das nicht nur im Buchhandel, sondern auch im Internet. Zum Beispiel im Blog des Autors Saša Stanišić, in dem ich heute eine sehr interessante Rezension des Buches „Isabellas Liebe zum Flügelhorn“ gefunden habe. Die Rezension hat mir sogar dermaßen gut gefallen, dass ich das Buch nach Feierabend gleich gekauft habe.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Geschlossenes Ende. Ich kann es gar nicht leiden, wenn ich eventuell noch einige Jahre darauf warten muss, um zu wissen, wie es denn nun endet. Wie bei der Tintenherz-Reihe von Cornelia Funke.

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Morgens, wenn ich mit der Bahn zur Arbeit fahre, mittags, wenn ich Urlaub habe, nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Ansonsten lese ich meistens abends. Am Wochenende lese ich gerne zu jeder Tages- und Nachtszeit. In der warmen Jahreszeit packe ich gerne mal eine Picknickdecke in den Fahrradkorb und suche mir ein schönes Plätzchen in der Natur. Ein schönes Buch macht gleich noch einmal so viel Spaß, wenn die Atmosphäre stimmt. Im Winter lese ich auch gerne in einem gemütlichen Café und nuckle dabei eine Stunde an einem Latte Macchiato.

Einzelband oder Serie?
Früher habe ich lieber Serien gelesen, inzwischen ziehe ich Einzelbände vor. Es gibt nur noch wenige Serien, von denen ich mich wirklich locken lasse. Aktuell sind es nur zwei: Harry Potter und die Tintenherz-Trilogie.

Lieblingsserie?
„Anne of Green Gables“
, definitiv. Ich lese die Bücher nun schon seit gut 17 Jahren immer wieder und immer wieder. Mal gucken, ob da Potters Harry auch mithalten kann.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
„3:2“ von Fritz Walter. Wobei es mir hier eher um den geschichtlichen Hintergrund als um den literarischen Wert geht. Letzter ist so gut wie gar nicht vorhanden, da der gute Fritz so geschrieben hat, wie er sprach. Fast zumindest, seinen Pfälzer Dialekt hat er beim Schreiben erfolgreich unterdrückt, beim Sprechen dagegen hat er es nie ganz geschafft.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Die Fragestellung gefällt mir so nicht. Besser: Das schönste Buch des letzten Jahres. Da habe ich zwei Kandidaten: „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ von Saša Stanišić und „Schloss Gripsholm“ von Kurt Tucholsky. Saša Stanišić experimentiert mit der Sprache, dass einem das Herz aufgeht. Er kreiert neue Wörter, spielt mit dem Satzbau und verzaubert mit fühl-, riech- und schmeckbaren Adjektiven. Er holt alles aus der Sprache heraus und weckt in mir den Wunsch, genauso schreiben zu können. Mit seinem „Grammofon“ hat er ein sehr schönes Buch veröffentlicht, von dem ich stark hoffe, dass es einen besseren Bekanntheitsgrad erreicht, wenn es erstmal als Taschenbuch erscheint.

„Schloss Gripsholm“ ist bis zum Rand mit schönen, zitierfähigen Sätzen gefüllt: „Es war so still, dass man die Kohlensäure in den Gläsern singen hörte.“ und „Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.“ sind nur zwei Beispiele aus einer wahren Fundgrube.

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Eins?! Diese Beschränkung ist unmöglich! Es gibt viel zu viele Bücher, die ich liebgewonnen habe. Da ist „Anne of Green Gables“ von Lucy M. Montgomery. Ein Buch, das vor gut 100 Jahren geschrieben wurde, und jetzt noch wunderbar funktioniert. Ein Buch zum träumen, lachen und weinen. Ein Mädchenbuch eben. Oder „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers. Eine herrliche Liebeserklärung an das Buch und voller skurriler Gestalten, wie zum Beispiel die knuffigen Buchlinge, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. „Pride and Prejudice“ von Jane Austen gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern. Eine sehr feine Gesellschaftsatire einer tollen Beobachterin.

Ach, ich könnte ewig weiterschreiben. Es gibt so viele Bücher, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben und es alleine deshalb verdient haben, als „Lieblingsbuch“ bezeichnet zu werden. Denn haften bleiben nur Bücher, die in mir etwas bewegen.

Zusammen ist man weniger allein

Bei diesem Roman der französischen Autorin Anna Gavalda geht es um vier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Camille, eine Künstlerin, die sich ihr Geld als Putzfrau verdient und längere Zeit keinen Pinsel mehr angerührt hat. Phillibert, ein verarmter Adeliger, der alles über die Geschichte Frankreichs weiß, aber ins Stottern gerät, wenn er mit anderen Menschen sprechen muss. Franck, ein wortkarger Koch, der dem Leben kaum etwas positives abgewinnen kann und ständig am fluchen ist. Paulette, Francks Oma, die so langsam senil wird und sich nicht damit abfinden kann.

Diese vier Menschen finden sich im Laufe des Romanes in einer gemeinsamen Wohnung wieder. Dass das nicht immer gut geht, ist klar. Zumal jeder Bewohner mit seiner Vergangenheit zu kämpfen hat.

Anna Gavalda erzählt die Geschichte in einer beschwingten Schreibweise, die ich so nur aus französischen Romanen kenne. In einer Rezension bei Amazon vergleicht eine Leserin das Buch mit dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und hat damit nicht unrecht, auch wenn die Geschichte total anders ist. Doch der Stil ist unverwechselbar französisch. Bei Büchern wie diesen bedaure ich es, dass ich die Sprache nicht beherrsche, denn im Original kommt der besondere Charme mit Sicherheit noch viel besser zur Geltung.

Der Leser hat bei diesem Buch das Gefühl, ein Gast im Leben der vier Protagonisten zu sein. Ein Beobachter, der in einem gemütlichen Café sitzt, einen Cappuccino nach dem anderen schlürft und dabei an einer wunderbaren Geschichte teilhaben darf. Wunderbar ist die Geschichte vor allem deshalb, weil sie erschreckend ehrlich ist. Die Charaktere werden unverfälscht und natürlich dargestellt, sie existieren wirklich.

Nur eins gefällt mir nicht: Der Epilog. Nicht wegen des Inhalts, sondern weil er existiert. Ein halbwegs offenes Ende hätte mir besser gefallen.