Es ist sehr schwer zu erklären, wie man eigentlich mit CI hört. Vor allem dann, wenn man hochgradig schwerhörig zur Welt gekommen ist und nicht die geringste Ahnung hat, was normales Hören eigentlich bedeutet. Deshalb war ich sehr efreut, heute online ein gutes Hörbeispiel zu finden: Demos zur elektro-akustischen Stimulation (EAS)
Zum ersten Abschnitt (Elektrische Stimulation) kann ich nicht viel sagen, weil sich die Hörprobe mit CI nicht mit meinem Hören vergleichbar ist. Der zweite Abschnitt jedoch passt. Die Hörprobe “Simulation Hochtonsteilabfall” trifft ziemlich genau mein Gehör, die abgebildete Hörkurve ist nur geringfügig besser als meine. Wenn ich mir zum Vergleich den originalen Satz ohne CI anhöre, klingt der für mich genauso wie die Simulation des Hochtonsteilabfalls mit eingeschaltetem Sprachprozessor. Anhand dieses Satzes können Normalhörende sich vermutlich ein recht gutes Bild davon machen, wie ich höre. Die Hörprobe “Simulation EAS” kann ich nicht so gut beurteilen, klingt aber mit CI ziemlich normal – also in etwa so, wie ich immer mit meinem Hybrid höre. Die Hörprobe “Simulation CI” aus dem ersten Abschnitt dagegen ist viel zu piepsig. So extrem habe ich selbst direkt nach der Erstanpassung nicht gehört, obwohl ich in der Zeit alles als zu schrill und piepsig empfand.
Den Satz habe ich übrigens auch nach mehrmaligem Hören nicht korrekt verstanden, egal in welcher Version. “Im ??? ziehen Anne(?) und Otto nach Afrika”? Oder doch etwas ganz anderes? Schwierig!
Die Schneekugel
Gestern regnete es, als ich mich auf den Heimweg machte. Natürlich hatte ich mal wieder weder Mütze noch Schirm dabei, wobei mir letzteres auf dem Rad sowieso nicht viel genützt hätte. Deshalb nahm ich vorsorglich den Sprachprozessor vom Ohr und steckte ihn in die Tasche. Es war das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass ich ohne Sprachprozessor mit dem Rad unterwegs war, und der Effekt war krass. Ich hatte plötzlich das Gefühl, in einer Schneekugel zu stecken. Alles war so weit weg, gedämpft, leise. Die ca. 30 Meter entfernte Autobahn schien sich um 200 Meter verschoben zu haben. Zwar hörte ich die Autos noch, aber es war nur noch ein entferntes Rauschen. Ich war heilfroh, überwiegend im Park und auf Radwegen unterwegs zu sein, denn auf der Straße hätte ich nicht mehr gewusst, wie weit die Autos entfernt sind.
Es ist der Wahnsinn, dass etwas, was vor 8 Monaten noch normal war, heute so irritierend ist. Im Vergleich zu früher fühle ich mich ohne Sprachprozessor im Straßenverkehr unsicher und eingeschränkt. Ein Grund mehr, immer an die Mütze zu denken. Auch wenn das im Mai recht wenig Spaß macht …