Die Schneekugel

Gestern regnete es, als ich mich auf den Heimweg machte. Natürlich hatte ich mal wieder weder Mütze noch Schirm dabei, wobei mir letzteres auf dem Rad sowieso nicht viel genützt hätte. Deshalb nahm ich vorsorglich den Sprachprozessor vom Ohr und steckte ihn in die Tasche. Es war das erste Mal seit sehr langer Zeit, dass ich ohne Sprachprozessor mit dem Rad unterwegs war, und der Effekt war krass. Ich hatte plötzlich das Gefühl, in einer Schneekugel zu stecken. Alles war so weit weg, gedämpft, leise. Die ca. 30 Meter entfernte Autobahn schien sich um 200 Meter verschoben zu haben. Zwar hörte ich die Autos noch, aber es war nur noch ein entferntes Rauschen. Ich war heilfroh, überwiegend  im Park und auf Radwegen unterwegs zu sein, denn auf der Straße hätte ich nicht mehr gewusst, wie weit die Autos entfernt sind.

Es ist der Wahnsinn, dass etwas, was vor 8 Monaten noch normal war, heute so irritierend ist. Im Vergleich zu früher fühle ich mich ohne Sprachprozessor im Straßenverkehr unsicher und eingeschränkt. Ein Grund mehr, immer an die Mütze zu denken. Auch wenn das im Mai recht wenig Spaß macht …

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CI-Simulation

Es ist sehr schwer zu erklären, wie man eigentlich mit CI hört. Vor allem dann, wenn man hochgradig schwerhörig zur Welt gekommen ist und nicht die geringste Ahnung hat, was normales Hören eigentlich bedeutet. Deshalb war ich sehr efreut, heute online ein gutes Hörbeispiel zu finden: Demos zur elektro-akustischen Stimulation (EAS)

Zum ersten Abschnitt (Elektrische Stimulation) kann ich nicht viel sagen, weil sich die Hörprobe mit CI nicht mit meinem Hören vergleichbar ist. Der zweite Abschnitt jedoch passt. Die Hörprobe “Simulation Hochtonsteilabfall” trifft ziemlich genau mein Gehör, die abgebildete Hörkurve ist nur geringfügig besser als meine. Wenn ich mir zum Vergleich den originalen Satz ohne CI anhöre, klingt der für mich genauso wie die Simulation des Hochtonsteilabfalls mit eingeschaltetem Sprachprozessor. Anhand dieses Satzes können Normalhörende sich vermutlich ein recht gutes Bild davon machen, wie ich höre. Die Hörprobe “Simulation EAS” kann ich nicht so gut beurteilen, klingt aber mit CI ziemlich normal – also in etwa so, wie ich immer mit meinem Hybrid höre. Die Hörprobe “Simulation CI” aus dem ersten Abschnitt dagegen ist viel zu piepsig. So extrem habe ich selbst direkt nach der Erstanpassung nicht gehört, obwohl ich in der Zeit alles als zu schrill und piepsig empfand.

Den Satz habe ich übrigens auch nach mehrmaligem Hören nicht korrekt verstanden, egal in welcher Version. “Im ??? ziehen Anne(?) und Otto nach Afrika”? Oder doch etwas ganz anderes? Schwierig!

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Von der Vielfältigkeit der Sprache

Zu den Tücken der Schwerhörigkeit gehört auch, dass man Dialekte und Akzente nicht besonders gut unterscheiden kann. Also ich zumindest. Ich fand es immer bewundernswert, wenn mir jemand nach einigen Worten des Gesprächspartners sagen konnte, woher dieser so ungefähr kommt. Wenn der Dialekt oder Akzent keine extremen Merkmale hatte, wie z.B. stark rollende Rs, klang für mich alles gleich.

Mit dem Englischen ging es mir immer genauso. Ich konnte nie sagen, ob der Sprecher Amerikaner oder Engländer ist, für mich war einfach alles Englisch. Mit der Zeit merkte ich es anhand der Wortwahl, aber die Unterschiede in der Aussprache blieben mir verborgen.

Kürzlich schaute ich mir den Film Snatch an, in dem sowohl Amerikaner als auch Engländer mitspielen. Und plötzlich hörte ich ganz genau raus, wer aus welchem Land kam. Die Unterschiede waren da, ganz deutlich. Dass es so einfach ist, die Akzente zu unterscheiden, hätte ich nie gedacht. Und ich kann es endlich auch. Solche Dinge machen so glücklich!

Da ich jetzt auch mitreden kann, kann ich endlich sagen, welchen Akzent ich schöner finde: Die Briten gewinnen ganz klar. Amerikanisches Englisch finde ich zwar einfacher, aber von der Aussprache her hat England die Nase vorn.

Ich freue mich jetzt schon darauf, LOST wieder von vorne zu gucken. So viele verschiedene Nationalitäten, so viele Akzente und Dialekte, die es zu entdecken gilt … :-)

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Das Hörbuch-Experiment

In Sachen Sprachverständnis scheine ich keine spürbaren Fortschritte zu machen, deshalb werde ich jetzt zum Angriff übergehen und versuchen, ein Hörbuch zu verstehen. Ich habe mich für ein Buch entschieden, das ich nicht schon in Papierform im Regal stehen habe, damit ich auch wirklich ins kalte Wasser geworfen werde. Gelesen wird das Buch von Jan Josef Liefers, dessen Stimme eigentlich passen sollte. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Ich werde berichten!

Bei dem Buch handelt es sich übrigens um “Dr. Siri und seine Toten” von Colin Cotterill.

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Piep, piiiiiep!

Der Tag kann ja nur gut werden, wenn man beim Verlassen des Haues von Vogelgezwitscher begrüßt wird. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich die Piepmätze neuerdings nicht nur sehe, sondern tatsächlich auch höre. So breit grinsend wie heute bin ich noch nie zur Arbeit spaziert. Wie wird das erst im Frühling? Vermutlich denkt dann die ganze Welt, dass ich ununterbrochen auf Drogen bin … hihi.

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… and nothing else matters

Musik über Kopfhörer funktioniert wieder! Natürlich ist es noch lange nicht perfekt, aber es hört sich wesentlich besser an als in der Anfangszeit. Es wird! :-)

Nachtrag:  Im Moment läuft “Im Taxi weinen” von Kettcar, das erste Lied, das ich damals testweise mit CI angehört hatte. Ich fand es furchtbar unnatürlich, ständig klingelte irgendwas. Inzwischen ist das Klingeln zu einer sehr wohlklingenden E-Gitarre mutiert, alles klingt wieder normal. D.h. noch besser als normal, richtig gut. Yeah!

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Rockbar

Während ich am Blog-Layout bastle und feststellen muss, dass man PHP durchaus verlernen kann, läuft Rock’n'Roll Realschule im DVD-Player. Die Ärzte eignen sich wirklich gut zum Hörenlernen, vor allem auf dieser Unplugged-DVD, die ob der ungewöhnlichen Instrumente voller toller Geräusche steckt. Was mich ganz besonders erstaunt: Manchmal, aber nur manchmal, höre ich sogar unbekannte Texte heraus. Normalerweise verstehe ich die Texte nur, wenn ich entweder mitlese oder den Text irgendwann auswendig gelernt habe.

Wer die Unplugged-DVD nicht kennt und reinhören möchte, kann das auf der offiziellen Die-Ärzte-Seite unter bademeister.tv tun (z.B. Komm zurück).

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Bergaufschleichen

Die Erfolge beim Hörenlernen sind meistens nicht sofort spürbar. Deshalb ist es mir lange Zeit gar nicht aufgefallen, dass sich mein Sprachverständnis bereits erheblich gebessert hat. Bewusst wurde es mir erst, als ich mich mit einem Freund unterhielt und er aus alter Gewohnheit alles wiederholte, wenn ich nicht sofort antwortete. Als ich das dritte Mal sagte, dass ich den Satz sofort verstanden hatte, wusste ich, dass etwas anders ist.

Natürlich muss ich immer noch nachfragen, aber bei weitem nicht mehr so oft wie früher. Flüssige Unterhaltungen zu führen ist keine Utopie mehr, selbst wenn es um mich herum nicht so leise ist. Ich kriege immer öfter mit, worüber sich die Kollegen in der Kantine unterhalten, und kann mich manchmal sogar beteiligen. Vor dem CI habe ich mich meistens zurückgehalten, weil es für alle Beteiligten einfach zu anstrengend war, wenn alles ständig wiederholt werden musste.

Es ist seltsam, wie einen das Hörenlernen verändern kann. Die dafür notwendige Geduld ist einfach da, obwohl ich mich wahrhaftig nicht als geduldigen Menschen bezeichnen würde. Die Hibbeligkeit, die mich meistens beim Warten begleitet, fehlt komplett. Ich weiß einfach, dass es sich weiterhin stetig verbessern wird, und diese Gewissheit lässt mich ruhiger werden.

Manchmal läuft es allerdings nicht so toll. An manchen Tagen geht fast gar nichts, das Gehirn scheint übermüdet zu sein. Letzten Montag hatte ich das Gefühl, dass die für das Hören zuständige Synapsen zum Streik aufgerufen und die Signale absichtlich in den See des Vergessens* geleitet haben. Letzten Samstag war es in lauter Umgebung ähnlich schwierig eine Unterhaltung zu führen, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, dass das Gehirn die Arbeit verweigerte, und obwohl ich unter ähnlichen Bedingungen schon wesentlich besser gehört hatte. Heute, beim Batterienwechsel, habe ich auch endlich herausgefunden, weshalb es so war: Ich habe am Freitag beim Kickern wieder mal die Lautstärke heruntergeschaltet und später vergessen. Merke:  Öfter mal die Lautstärke prüfen …

*Wer nicht weiß, was der See des Vergessens ist: Unbedingt “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” von Walter Moers lesen. Nein, das is kein Kinderbuch!

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Huch, bin ich hier richtig?

Aber sicher doch! Ich bastle noch ein bisschen am Layout, das wird sich in den nächsten Tagen eventuell ab und zu leicht verändern. Erst wollte ich alles selbst machen, doch dann bin ich auf das Hybrid Framework gestoßen, das ich schon alleine aufgrund des Namens passend finde. Optisch gefällt es mir auch ganz gut, also bleibe ich vermutlich dabei, wenn ich auch noch einiges anpassen muss. Die Sprache zum Beispiel. Also nicht wundern, wenn es hier immer wieder mal ein bisschen anders aussieht.

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Gezwitscher

Als Kind war ich sehr oft mit meinem Vater im Wald unterwegs. Mein Vater kennt die Wälder um mein Heimatdorf wie seine Westentasche und zeigte uns Kindern unzählige schöne Plätze. Immer wieder machte er uns auf Besonderheiten aufmerksam. Wenn er etwas besonders schönes sah oder hörte, blieb er stehen, um es uns zu zeigen. Oft war es ein Vogel, der sein Frühlingslied sang. Mein Vater erkannte die meisten an den Stimmen, blieb stehen, lauschte entzückt und fragte: “Hörst du die Amsel da oben?” Ich lauschte angestrengt. Schaute mich um, um einen Anhaltspunkt zu haben und sah irgendwann den schwarzen Vogel, der mit einem weit geöffneten Schnabel auf dem Ast saß. Sehen bedeutete für mich hören, deshalb antwortete ich in diesem Augenblick, dass ich ihn hören würde, obwohl das nicht der Wahrheit entsprach.

Gestern wollte ich einen Schneespaziergang machen, bevor der Schnee komplett weg ist. Also fuhr ich raus aus der Stadt, in den nahegelegenen Wald. Als ich den Weg entlangging, hörte ich plötzlich ein Geräusch, das mich zusammenzucken ließ. Irgendwas schien geklingelt oder gequietscht zu haben. Ich schaute mich um, weit und breit nichts zu sehen. Kein Fahrrad, kein Auto, kein Mensch. Und dennoch ertönte das Geräusch. Ich schaute nach oben. Im Baum saß eine Amsel, mit weit geöffnetem Schnabel.  So fühlt sich Glück an.

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