Ivar’s Fish Bar in Seattle ist eine Mischung aus Nordsee und Imbiss, nur viel besser. Dort gönnte ich mir einen Krabbencocktail und eine Portion Clams ‘n Chips, bediente mich an der großen Essig-Auswahl, um die Pommes richtig britisch schmecken zu lassen, und setze mich nach draußen. Das heißt, ich wollte es, lies mich aber von den Möwen abschrecken, die dort zuhauf über dargebotene
Prommes herfielen.
In Deutschland sind wir es gewohnt, dass es nicht erwünscht ist, Wasservögel zu füttern. Deshalb ließen mich meine deutschen Wurzeln auch halb entsetzt “die kann man doch nicht einfach so füttern!” denken, während ich kauend das Treiben beobachtete.
Das Schild, das das Füttern der Möwen ausdrücklich erlaubte, ja sogar erbat, und gleichzeitig darauf hinwies, dass man Möwen gar nicht überfüttern kann, weil sie aufhören zu fressen, sobald sie satt sind, dieses Schild sah ich erst viel später.
Kleine Kinder gingen auf die Möwen zu, eine Pommes in der Hand, ohne die geringste Angst zu zeigen. Ich traute mich nicht, mich nach draußen zu setzen, weil ich inmitten der unfassbar lauten Vogelschar ein Remake von Hitchcocks “Die Vögel” befürchtete, und diese Kinder waren komplett furchtlos. Zu recht, wie ich später feststellte; die Vögel waren total harmlos und trauten sich nur deshalb so nahe an die Menschen heran, weil diese Futter hatten. Sobald sich ein Mensch aber zu schnell bewegte, suchten die Möwen das Weite.
Nachdem ich gegessen hatte, wagte ich mich doch nach draußen, um mir das Spektakel aus der Nähe anzuschauen. Vorher hatte ich tagelang versucht, Möwen aus der Nähe zu fotografieren, verscheuchte aber alle, ganz gleich wie vorsichtig ich mich bewegte. Hier, mit der Aussicht auf eine gute Mahlzeit, mutierten die Tiere zu perfekten Fotomodellen.
Es war äußerst interessant, diese Tiere eine Weile zu beobachten. Und das Gekreische, das wirklich ein bisschen nach “Mine! Mine! Mine! Mine!” klang, werde ich nie wieder aus den Ohren kriegen.















































